Zum Abschluss des Wahlkampfes in den USA hat Präsident Donald Trump versucht, mit dramatischen Warnungen vor den oppositionellen Demokraten seine Anhänger zu mobilisieren. Die Demokraten seien eine Gefahr für die Wirtschaft und die Zukunft des Landes, sagte er bei einem seiner letzten Wahlkampfauftritte in Fort Wayne im Bundesstaat Indiana. Sie ermunterten Einwanderer dazu, illegal ins Land zu kommen und gegen US-Gesetze zu verstoßen, außerdem planten sie Steuererhöhungen. Ihre Absichten seien ein "sozialistischer Albtraum". 

Belege für seine Vorwürfe lieferte Trump nicht. Er stellte die Demokraten generell als politische Blockierer und Zerstörer dar und rief seine Anhängerinnen und Anhänger auf: "Ihr könnt sie morgen mit eurer Stimme stoppen."

Bei den US-Kongresswahlen an diesem Dienstag werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat, der zweiten Kammer des US-Parlaments, neu vergeben. Trump steht selbst nicht zur Wahl, die Abstimmung ist aber gewissermaßen auch ein Referendum über seinen politischen Stil und die Bilanz seiner bisherigen Amtszeit. "In gewissem Sinne kandidiere ich auch", sagte Trump vor jubelnden Anhängern bei einem weiteren Wahlkampfauftritt in Cleveland im Bundesstaat Ohio. Auch dort rief er eindringlich dazu auf, wählen zu gehen.

Endspurt im US-Wahlkampf - «Sie wissen nicht, was sie tun sollen, sie werden bekloppt» US-Präsident Donald Trump attackiert in seinen letzten Auftritten vor den Midterms die Demokraten. Umfragen zufolge droht den Republikanern der Verlust der Mehrheit im Repräsentantenhaus. © Foto: Carlos Barria/Reuters

Republikaner müssen Verlust ihrer Mehrheit im Repräsentantenhaus fürchten

Umfragen zufolge müssen Trumps Republikaner befürchten, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu verlieren. Im Senat indes werden die Republikaner ihren knappen Vorsprung von derzeit 51 zu 49 Sitzen wohl halten können. Allerdings halten Meinungsforscherinnen das Rennen um die Senatssitze in fünf Bundesstaaten für unentschieden – in Nevada, Missouri, Florida, Arizona und eben in Indiana, wo Trump ganz zum Schluss noch auftrat. Sollte es den demokratischen Bewerbern gelingen, all diese Sitze zu holen, könnte es zwar zum Patt im Senat kommen. Die Republikaner wären aber auch dann im Vorteil: Bei einem Patt entscheidet die Stimme von Vizepräsident Mike Pence im Senat.  

Schon eine Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus könnte für Trump aber unangenehm werden. Die Demokraten könnten dann zahlreiche Untersuchungen gegen ihn einleiten, Gesetze abändern oder komplett blockieren. Das weiß auch Trump und war deshalb in den vergangenen Wochen im permanenten Wahlkampfmodus. Am Montagnachmittag und -abend absolvierte er noch drei Wahlkampfauftritte in drei Bundesstaaten. Dort versuchte Trump, mit seinen üblichen Attacken gegen Demokraten und Medien zu punkten – und mit Lobeshymnen auf die Verdienste seiner Regierung.

In Indiana ließ er auch kurz drei Frauen aus seinem engsten Umfeld auftreten: seine Tochter Ivanka, Beraterin Kellyanne Conway und seine Sprecherin Sarah Sanders. Dies dürfte ein Versuch gewesen sein, auf den letzten Metern noch gezielt Wählerinnen anzusprechen, bei denen Trump in Umfragen eher schwächelt. Bei seiner letzten Wahlkampfveranstaltung in Missouri holte Trump dann den Fox-News-Moderator Sean Hannity auf die Bühne. "Übrigens, alle Leute da hinten sind Fake-News", sagte Hannity über andere Reporter im Hinterbereich, die über die Veranstaltung berichteten. Hier sei es ja "fast wie bei einem Rockkonzert ohne Gitarre", so seine Worte, bevor er später hinter der Bühne Trump interviewte – das Gespräch fand weitgehend ohne Fragen statt.

Mit aussagekräftigen Ergebnissen der Kongresswahlen wird am frühen Mittwochmorgen mitteleuropäischer Zeit (MEZ) gerechnet. Bei den Kongresswahlen 2014 stand gegen 3.15 Uhr MEZ fest, wer die Mehrheit im Abgeordnetenhaus holte, gegen 5.30 Uhr MEZ war klar, wer den Senat gewonnen hatte. Wenn das Ergebnis beim Senat knapp ausfällt, könnte es sich verzögern. An der Ostküste öffnen erste Wahllokale am Dienstag um 12.00 Uhr MEZ. Weil die USA sich über viele Zeitzonen erstrecken, schließen die Wahllokale auf Hawaii erst um 6.00 Uhr MEZ am Mittwoch.