US-Präsident Donald Trump fühlt sich auch nach neuen Erkenntnissen im Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi nicht von Saudi-Arabien hintergangen. "Sie haben mich nicht betrogen", sagte Trump. "Vielleicht haben sie sich selbst betrogen." Eine Vielzahl von Fakten müsse nun untersucht werden. So lange wolle er abwarten und "sehen, wie sich alles entwickelt", sagte der Präsident.

Die türkische Generalstaatsanwaltschaft sagte am Mittwoch, Khashoggi sei erwürgt worden. Daraufhin sei sein Leichnam "in Stücke zerteilt" und dann "vernichtet" worden. Der saudische Journalist, der unter anderem für die Washington Post tätig war, hatte am 2. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul aufgesucht, um Papiere für seine geplante Hochzeit mit einer Türkin abzuholen. Die Regierung in Riad hatte nach mehr als zwei Wochen und unter internationalem Druck eingeräumt, dass der 59-Jährige im Konsulat getötet worden war. 

In dem Fall wurden in Saudi-Arabien bislang 18 Verdächtige festgenommen. Mehrere Spuren legen den Schluss nahe, dass auch Personen aus dem näheren Umfeld des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in den Tod Khashoggis verwickelt sind. Saudi-Arabien weist eine Verstrickung des Thronfolgers in die Affäre zurück.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte Trump den Tod des Journalisten zwar verurteilt, einen Bruch mit Saudi-Arabien jedoch vermieden. Der US-Präsident pflegt enge Verbindungen zu dem Land und sieht die Regierung in Riad sowohl als wichtigen Partner in der Region als auch als einen guten Kunden der amerikanischen Rüstungsindustrie.

Eine Gruppe von Senatoren hat den US-Präsidenten dazu aufgefordert, Verhandlungen mit Saudi-Arabien über den Bau von Atomkraftwerken zu unterbrechen. In einem Brief wiesen der republikanische Senator Marco Rubio und weitere Parteikollegen Trump darauf hin, dass die US-Senatoren schon vor der Tötung des Journalisten Vorbehalte gegen die Weitergabe von Atomenergie-Technologie gehabt hätten. Sollte Trump nicht einlenken, wollten sie versuchen, eine mögliche Vereinbarung im Parlament zu blockieren.

Die Enthüllungen über die Ermordung Khashoggis und bestimmte saudische Aktionen im Jemen und im Libanon hätten die Zuverlässigkeit der Entscheidungsträger in Saudi-Arabien infrage gestellt, hieß es in dem Brief. Die Weigerung Saudi-Arabiens, ein Atomenergie-Abkommen überhaupt in Erwägung zu ziehen, sei besorgniserregend. Ein solches Abkommen würde es dem Königreich verbieten, Uran anzureichern und Plutonium zu verarbeiten. Die Regierung in Saudi-Arabien hat bereits mit der Auswahl der Auftragnehmer für den Bau des ersten von 16 geplanten Atomkraftwerken begonnen.