Compiègne - Emmanuel Macron und Angela Merkel gedenken Weltkriegsende Frankreichs Präsident und die Bundeskanzlerin haben in Compiègne des Ende des 1. Weltkriegs gedacht. Dort wurde am 11. November 1918 der Waffenstillstandsvertrag unterzeichnet. © Foto: Philippe Wojazer/Reuters

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben im Wald von Compiègne gemeinsam an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren erinnert. Auf einer Lichtung bei der Stadt nordöstlich von Paris wurde am 11. November 1918 der Waffenstillstand mit den Alliierten unterzeichnet. Es war das erste Mal, dass die Spitzen Deutschlands und Frankreichs gemeinsam diesen Ort besuchten.

Merkel und Macron enthüllten zusammen zwei neue Steintafeln, die auf Deutsch und Französisch die "Bedeutung der deutsch-französischen Aussöhnung im Dienste Europas und des Friedens" betonen. Die Formulierung ist auch ein Kontrast zur ursprünglichen Tafel aus den 1920er-Jahren. "Hier unterlag am 11. November 1918 der verbrecherische Hochmut des Deutschen Reiches, besiegt von den freien Völkern, die zu unterjochen es beansprucht hatte", heißt es dort.

Nach dem deutschen Einmarsch 1940 hatte Adolf Hitler den Ort für eine Demütigung Frankreichs genutzt. Er ließ denselben Eisenbahnwaggon, in dem die Deutschen den Vertrag mit den Alliierten unterschrieben hatten, wieder auf die Lichtung schaffen. Dort diktierte er den Vertretern Frankreichs persönlich die Kapitulation. Merkel und Macron besuchten auch einen Nachbau des Waggons.

Vom "Ort der Revanche" zum "Ort der Versöhnung"

Aus Macrons Umfeld hieß es, der "Ort der Revanche" werde durch den gemeinsamen Besuch mit Merkel zum Ort der "allerletzten Versöhnung" zwischen beiden Ländern. Merkel und Macron träten "in die Fußstapfen von Helmut Kohl und François Mitterrand". Die Bilder der beiden Politiker, die sich auf einem Soldatenfriedhof in Verdun im September 1984 an den Händen hielten, gingen um die Welt.

Die Kanzlerin bedankte sich später für die "symbolische Geste" des französischen Präsidenten. Dieser Tag sei "nicht nur Mahnung, sondern auch Ansporn".

Zum Abschluss machten Merkel und Macron einen Rundgang mit eingeladenen Schülerinnen und Schülern, Armeeangehörigen und Diplomaten. Macron erinnerte dabei an die Überzeugung der damaligen Kriegsgeneration: "Nie wieder!" Er rief zu innereuropäischer Zusammenarbeit auf und mahnte angesichts eines erstarkten Nationalismus, sich nicht spalten zu lassen.

Für das Wochenende hat Macron insgesamt rund 70 Staats- und Regierungschefs nach Paris eingeladen, darunter auch Russlands Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump. Am Sonntag ist eine große Gedenkzeremonie am Pariser Triumphbogen geplant. Danach soll Merkel das Friedensforum in Paris eröffnen, eine dreitägige Diskussionsveranstaltung zu Themen wie Frieden, Umweltschutz und Entwicklungshilfe.