Die Nato wird sich weiter in Afghanistan engagieren. Das teilte das Militärbündnis mit und reagierte damit auf die Pläne der US-Regierung, Tausende Soldatinnen und Soldaten aus dem Land abzuziehen. "Unser Einsatz ist wichtig, um sicherzustellen, dass Afghanistan nie wieder ein sicherer Rückzugsort für internationale Terroristen wird, die uns auch bei uns zu Hause bedrohen könnten", sagte Nato-Sprecherin Oana Lungescu. Die Außenminister der Allianz hätten erst bei einem Treffen vor gut zwei Wochen ihr "unerschütterliches Bekenntnis" erneuert, in Afghanistan langfristig für Sicherheit und Stabilität zu sorgen. Zu den Plänen von US-Präsident Donald Trump wollte sich Lungescu nicht konkret äußern.

Ein US-Regierungsvertreter hatte am Donnerstag einen "bedeutenden" Truppenabzug aus Afghanistan angekündigt. Derzeit sind in Afghanistan rund 14.000 US-Soldaten im Einsatz, entweder für die Nato-Ausbildungs- und Unterstützungsmission Resolute Support oder für Antiterroreinsätze. Nach Informationen des Wall Street Journal sollen mehr als 7.000 US-Soldatinnen und Soldaten abgezogen werden. Erst am Mittwoch hatte Trump einen vollständigen Truppenabzug aus Syrien angekündigt. Diese Entscheidung stieß bei Verbündeten im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" auf viel Unverständnis und ist wie die Afghanistanpläne auch in den USA höchst umstritten.

Bundesregierung fordert Aufklärung

Die Bundesregierung fordert Aufklärung von den Amerikanern. Dazu gebe es Kontakte mit Ansprechpartnern in den USA, sagten Sprecher des Verteidigungs- und des Außenministeriums. "Die USA stellen ein ganz wesentliches Kontingent für diesen Einsatz. Sie stellen den Kommandeur. Sie bilden das Rückgrat des internationalen Engagements in Afghanistan. Das ist ein wirklich unverzichtbarer Partner", sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die afghanischen Sicherheitskräfte benötigten weiter Unterstützung in einer Situation, in der es ein politisches und militärisches Ringen mit den Taliban gebe.

Über den Rücktritt von US-Verteidigungsminister James Mattis gab es im Bündnis offenes Bedauern. Mattis sei ein weithin respektierter Soldat und Diplomat und habe wesentlich dazu beigetragen, die Nato in einer sicherheitspolitisch herausfordernden Zeit stark zu halten, sagte Lungescu. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wolle mit Mattis bis zu dessen endgültigem Ausscheiden aus der US-Regierung eng zusammenarbeiten.

In Afghanistan lösten der mögliche Abzug von US-Truppen und der Rücktritt von US-Verteidigungsminister James Mattis Verunsicherung aus. Ein hochrangiger Regierungsvertreter sagte, es sei noch zu früh, über mögliche Auswirkungen zu sprechen. Zunächst müsse geklärt werden, welche Einheiten das Land als erstes verließen. "Abhängig davon, wie die Taliban reagieren, muss die Regierung möglicherweise das Militär auffordern, seine Operationen zu reduzieren", sagte er.

Ein Sprecher von Präsident Aschraf Ghani sagte, die Sicherheit im Land sei bei einem US-Abzug nicht in Gefahr, weil die ausländischen Soldatinnen die afghanischen Truppen lediglich berieten und unterstützten. Westliche Diplomaten zweifeln das allerdings an. "Wir wissen alle, dass die Moral der afghanischen Truppen auf einem Allzeittief ist, sie sind schlecht ausgestattet, schlecht bezahlt und schlecht koordiniert", sagte ein Diplomat eines Landes, das an der Nato-Mission Resolute Support beteiligt ist. "Wir trainieren sie so gut es uns möglich ist."