In der serbisch-bosnischen Teilrepublik Srpska haben die Behörden den Anführer einer Protestbewegung festgenommen und damit Spannungen zwischen Demonstranten und der Polizei ausgelöst. In Banja Luka, der Hauptstadt der Republik Srpska, gingen am Dienstag Hunderte Menschen auf die Straße, um gegen die Festnahme von Davor Dragičević zu protestieren. Spezialkräfte der Polizei drängten die Demonstranten aus dem Stadtzentrum zurück. In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo gingen aus Solidarität ebenfalls Menschen auf die Straße. Dragičević demonstriert seit Monaten für die Aufklärung des Todes seines 21-jährigen Sohnes David.

Eine Polizeisprecherin sagte, Dragičević sei festgenommen worden, weil er einer Vorladung zu einer Vernehmung nicht gefolgt sei. Der 49-Jährige wirft den Behörden vor, seinen Sohn getötet zu haben. Die Polizei hatte den Tod des Studenten, dessen Leiche im März in einer Blutlache aufgefunden wurde, als Unfall bezeichnet. Ein Staatsanwalt stufte den Fall später als Mord ein.

Seither protestiert Dragičević mit der Gruppe "Gerechtigkeit für David" täglich auf dem zentralen Krajina-Platz in Banja Luka und fordert die Aufklärung der Tat. Am 17. Dezember versammelte sich die Gruppe vor dem Parlament zu einer nicht genehmigten Kundgebung. Rund 20 der Teilnehmer, darunter Dragičević, wurden von der Staatsanwaltschaft anschließend der "Bedrohung der Sicherheit" beschuldigt.

Proteste gegen Milorad Dodik

Die Kundgebungen von "Gerechtigkeit für David" haben sich längst in Proteste gegen Milorad Dodik ausgeweitet, den Anführer der bosnischen Serben. Der prorussische Nationalist Dodik setzt sich für die Abspaltung der Republik Srpska ein, die zusammen mit der muslimisch-kroatischen Föderation den Vielvölkerstaat Bosnien und Herzegowina bildet.

Medienberichten zufolge nahm die Polizei am Dienstag auch den Oppositionspolitiker Draško Stanivuković sowie einen weiteren Aktivisten der Protestbewegung fest. Außerdem entfernten Polizisten ein improvisiertes Denkmal für David auf dem zentralen Krajina-Platz in Banja Luka. Im Laufe des Nachmittags und Abends strömten Hunderte Bürger zusammen, um die Freilassung der Festgenommenen zu verlangen. Einheiten der Sonderpolizei bezogen Stellung.

Die EU-Mission in Bosnien forderte in einer Erklärung das Innenministerium der Republik Srpska auf, die Festnahme von Mitgliedern der Protestbewegung zu erläutern.