Die britische Regierung will ihre Vorbereitungen für einen EU-Austritt des Landes ohne Abkommen verstärken. Priorität sei zwar weiterhin, einen Brexit-Vertrag unter Dach und Fach zu bringen, sagte Brexit-Minister Steve Barclay nach einer Sitzung des Kabinetts in London. Gleichzeitig müsse eine verantwortungsvolle Regierung sicherstellen, für einen ungeregelten Brexit bereit zu sein.

"Deswegen hat das Kabinett heute beschlossen, dass No-Deal-Vorbereitungen auf operativer Ebene in der Regierung Priorität haben werden", so der Brexit-Minister. Außerdem würden nun verstärkt Informationen an Unternehmen und in Großbritannien lebende EU-Bürger herausgegeben. Aber auch Unternehmen sollten Vorkehrungen treffen.

Britische Medien werteten den Schritt als Warnung an die Abgeordneten im Unterhaus und an die EU, dass es Großbritannien ernst meint und bereit ist, notfalls ohne Abkommen aus der Staatengemeinschaft auszutreten.

Knapp 100 Tage vor dem geplanten EU-Austritt des Landes am 29. März ist noch immer nicht klar, wie Premierministerin Theresa May das ausgehandelte Abkommen durchs Parlament bringen will. Bei einem Auftritt im Unterhaus kündigte sie am Montag an, die verschobene Abstimmung über ihren Brexit-Deal in der dritten Januarwoche stattfinden zu lassen.

3.500 Soldaten stehen für den Fall eines Chaos-Brexit bereit

Auch die britische Armee bereitet sich mit Tausenden Soldaten auf den Fall eines chaotischen Austritts aus der EU vor. Rund 3.500 Soldatinnen und Soldaten würden bereitgehalten, um nach einem harten Brexit im März 2019 auf "alle Eventualitäten" vorbereitet zu sein, sagte Verteidigungsminister Gavin Williamson im Londoner Unterhaus. Ihre Aufgabe sei es, "im Notfall die Regierungsinstitutionen zu unterstützen". Das Bereitschafts-Kontingent setze sich aus regulären Soldaten und Reservisten zusammen.

Der Minister führte nicht aus, welche Not- oder sonstige Fälle er bei einem harten Brexit befürchtet. Die Sunday Times hatte kürzlich aus einem internen Behördenpapier zitiert, wonach sich die britische Polizei für den Fall eines harten Brexit auf "Unruhen bis hin zu weitreichendem Aufruhr" vorbereite.