Drei Monate vor dem Brexit ist aus Sicht des britischen Handelsministers Liam Fox noch nicht sicher, dass Großbritannien die EU wirklich verlässt. Sollte das Parlament das EU-Austrittsabkommen ablehnen, stünden die Chancen 50 zu 50, dass der Brexit nicht stattfinde, sagte Fox der Sunday Times. "Wir können uns zu 100 Prozent sicher sein, dass wir am 29. März austreten werden, wenn wir für den Deal der Premierministerin stimmen", sagte Fox. "Wenn wir nicht dafür stimmen, bin ich mir nicht sicher, ob ich dem viel mehr als eine 50-zu-50-Chance geben würde."

Großbritannien will die EU am 29. März verlassen. Über den von Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrag soll das britische Parlament Mitte Januar abstimmen. Doch ist keine Mehrheit in Sicht. Mays Kritiker befürchten, der Vertrag könne Großbritannien mit Übergangslösungen auf Dauer zu eng an die EU binden. Die langfristigen Beziehungen sollen aber eigentlich mit einem weiteren Abkommen geklärt werden.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker teilte der Welt am Sonntag mit, bei Zustimmung des Parlaments "schon einen Tag später mit den Vorbereitungen der künftigen Beziehungen" zu beginnen. "Man unterstellt uns, unser Ziel sei es, Großbritannien mit allen Mitteln in der Europäischen Union zu halten. Das ist aber nicht unsere Absicht." Die EU respektiere das Ergebnis der britischen Volksabstimmung 2016, wünsche aber Klarheit über die künftigen Beziehungen. "Mein Appell ist: Rauft euch zusammen und sagt uns dann Bescheid, was ihr denn nun wollt."

Malmström warnt vor Chaos

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström prognostizierte ein Chaos für den Fall eines Austritts ohne Vertrag. Der zollfreie Warenverkehr würde abrupt unterbrochen. Sie stellte klar, dass die EU auch in diesem Fall mit Großbritannien über ein Handelsabkommen reden werde. Dafür werde es aber Zeit brauchen: "Also werden die Briten vom ersten Tag an Kontrollen durchführen, und so werden wir es auch machen", sagte Malmström. Im Hafen von Dover, einem der Hauptumschlagsorte der Insel für den Warenhandel mit dem europäischen Festland, werde es chaotische Verhältnisse geben.

Für diesen Fall bereitet sich Großbritannien verstärkt vor. Wie die BBC berichtete, schloss die Regierung in den vergangenen Monaten Verträge über umgerechnet rund 120 Millionen Euro mit Fährgesellschaften, um Engpässe in Dover mithilfe von gecharterten Fähren zu vermeiden. Mit den zusätzlichen Fährverbindungen im Ärmelkanal sollten Lieferengpässe für "wichtige Waren" vermieden werden, hieß es aus Regierungskreisen. Sie ermöglichen es, knapp 4.000 Lkw pro Woche vom Festland aus zu britischen Häfen zu bringen.