Die britische Premierministerin Theresa May bleibt im Amt. Sie gewann am Abend die Misstrauensabstimmung innerhalb ihrer Fraktion im Unterhaus. Das teilte der Vorsitzende des zuständigen Fraktionskomitees im Unterhaus, Graham Brady, mit. (Alles Wichtige zu den Entwicklungen lesen Sie in unserem Liveblog.)

200 Abgeordnete – also eine deutliche Mehrheit der insgesamt 317 Tories im Unterhaus – stimmten laut Brady für May, 117 gegen sie. Damit bleibt May Vorsitzende ihrer Partei und zugleich Regierungschefin. Binnen zwölf Monaten kann nun kein neues Misstrauensvotum in der Fraktion beantragt werden.

48 May-Kritiker in der Fraktion um den erzkonservativen Abgeordneten Jacob Rees-Mogg hatten die Abstimmung beantragt. Sie sind vor allem mit dem von May ausgehandelten Brexit-Abkommen mit der EU unzufrieden. Größter Streitpunkt ist die als Backstop bezeichnete Klausel, die nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU eine offene Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Nordirland sichern soll. Die Brexit-Hardliner befürchten, dass Großbritannien auch nach dem Austritt dauerhaft eng an die EU gebunden sein wird.

Mehrheit für Brexit-Deal weiter unsicher

Ob May für ihren Brexit-Deal eine Mehrheit im Parlament finden kann, ist aber auch nach dem überstandenen Misstrauensvotum fraglich. Sie muss damit rechnen, dass bereits aus der eigenen Fraktion 117 Abgeordnete das Abkommen ablehnen werden. Erst am Montag hatte sie die für Dienstag vorgesehene Abstimmung über das Brexit-Abkommen verschoben, weil sich eine Niederlage abzeichnete. Einen neuen Termin gibt es bislang nicht. Die Zeit drängt, denn der Brexit ist für den 29. März 2019 vorgesehen.

Flussdiagramm mit den möglichen Ausgängen der Brexit-Verhandlungen

May versucht, der EU weitere Zugeständnisse abzuringen, denn ohne Korrekturen dürfte sie den Deal kaum durch das britische Parlament bekommen – dann droht im Frühjahr 2019 ein ungeregelter Brexit ohne Vertrag. Am Donnerstag beschäftigt sich der EU-Gipfel in Brüssel noch einmal mit den britischen Austrittsplänen.

Eine Reihe von Staats- und Regierungschefs sowie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker haben allerdings schon klargestellt, dass das Brexit-Abkommen nicht noch einmal geöffnet wird. Am Abend signalisierte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz jedoch zumindest Verhandlungsspielraum bei der Frage des Backstops.