In der belgischen Hauptstadt Brüssel sind Tausende Menschen dem Aufruf rechter Gruppen gefolgt und haben gegen den UN-Migrationspakt demonstriert. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 5.500 Menschen an dem "Marsch gegen Marrakesch". Dabei kam es auch zu gewaltsamen Ausschreitungen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Mindestens 90 Menschen wurden zeitweise in Gewahrsam genommen, wie die Polizei der Nachrichtenagentur Belga mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigte zunächst sechs Verdächtige konkreter Straftaten wie Sachbeschädigung, Widerstand und Drogenhandel und wollte sie zumindest über Nacht festhalten. Über ihr weiteres Verfahren soll voraussichtlich am Montag entschieden werden.

Die Demonstranten waren durch das Europaviertel Brüssels gezogen, in dem zentrale Institutionen der Europäischen Union ihren Sitz haben. 300 bis 400 Demonstranten versuchten laut Belga, in das Gebäude der EU-Kommission einzudringen. Auch hätten einige nach der Kundgebung in der Nähe der EU-Kommission Steine und Gegenstände geworfen. Die Polizei sei sofort eingeschritten. Am späten Nachmittag habe sich die Lage dann beruhigt.

Einige Demonstranten forderten zudem den belgischen Regierungschef Charles Michel zum Rücktritt auf. Michel kann sich derzeit nur mit einer Minderheitsregierung im Amt halten. Ministerinnen und Minister der flämisch-nationalistischen Partei N-VA hatten die Regierung wegen des Migrationspakts Anfang Dezember verlassen.

"Unser Volk zuerst" und "Wir haben genug, geschlossene Grenzen", forderten Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Brüssel auf ihren Schildern und Plakaten. Organisiert hatten die Demonstration mehrere rechtsextreme flämische Gruppen, darunter etwa die Jugendorganisation der fremdenfeindlichen Partei Vlaams Belang.

An einer linken Gegendemonstration beteiligten sich etwa tausend Menschen. Darunter war auch eine Gruppierung der Protestbewegung der Gelbwesten, die sich aus Frankreich nach Belgien weiterverbreitet hat.

Die Brüsseler Behörden hatten zunächst beide Kundgebungen aus Angst vor Ausschreitungen untersagt. Der belgische Staatsrat entschied jedoch, dass die Demonstrationen stattfinden dürfen.

164 Staaten hatten am vergangenen Montag in der marokkanischen Stadt Marrakesch den Migrationspakt der UN gebilligt. Noch im Juli hatten alle Mitgliedsstaaten außer den USA einem Entwurf zugestimmt, seitdem mehrte sich aber die Kritik an dem Abkommen. Auch EU-Mitglieder wie Ungarn, Österreich, Polen und Tschechien wandten sich gegen den Vertrag. Das rechtlich nicht bindende Dokument soll dabei helfen, Migration besser zu steuern.