Im Fall von Michael Flynn, Trumps früherem Nationalen Sicherheitsberater, wurde das Lauern in dieser Woche nur mit mäßigen Erkenntnissen belohnt. Gegen ihn steht noch im Dezember das Urteil an, er hatte sich vor gut einem Jahr schuldig bekannt, gegenüber dem FBI falsche Angaben über Kontakte vor der Amtsübernahme Trumps zum damaligen russischen Botschafter in den USA gemacht zu haben. Mueller reichte dazu vorschriftsmäßig eine Strafempfehlung ein: keine Haft, wegen Flynns "substanzieller Unterstützung" in den Russland-Ermittlungen – und weiteren laufenden Ermittlungen, wobei dazu die Details in dem Dokument geschwärzt sind.

Zur Frage von Absprachen mit Russland heißt es in der Empfehlung, Flynn habe "Informationen aus erster Hand über Inhalt und Kontext von Interaktionen zwischen dem Übergangsteam (das Trumps Amtsübernahme organisierte) und russischen Regierungsvertretern" geliefert. Zu wenig, um daraus wirklich etwas abzuleiten. Aber insbesondere dank der gestrichenen Stellen und der Angabe, es habe 19 einzelne Interviews gegeben und Flynn habe Dokumente und Gesprächsverläufe bereitgestellt: genug, um die Hoffnung auf den großen Knall zu nähren.

Wirklich explosiv, so hoffen Beobachter, könnte es nun an diesem Freitag werden. Dann reicht Mueller dem Gericht die Details nach, warum er den Kooperationsdeal mit Paul Manafort für nichtig erklärt hat. Gegen Strafmilderung in seinem laufenden Prozess hatte Manafort den Ermittlern Rede und Antwort gestanden, soll sie aber belogen und neue Straftaten begangen haben. Möglicherweise geht es dabei auch um die Weitergabe von Informationen an das Weiße Haus, seit Manafort befragt wurde. Jedenfalls wird Mueller ausführlich darlegen, in welchen Dingen Manafort nicht die Wahrheit gesagt hat und warum er es beweisen kann. Das Dokument soll nach Medienberichten nicht unter Verschluss bleiben, könnte aber wieder Schwärzungen enthalten.

Auch gegen Trumps früheren persönlichen Anwalt und Problemlöser Michael Cohen steht in der kommenden Woche ein Urteil an, und Mueller muss bis Freitag eine Strafempfehlung einreichen. Cohen hatte sich wegen Verstößen gegen das Wahlkampffinanzierungsgesetz schuldig bekannt und Trump dabei persönlich belastet: Auf seine Anweisung habe er Schweigegeld an frühere Affären gezahlt. Zuletzt hatte Cohen eingeräumt, den Kongress über Trumps Geschäftsabsichten in Russland belogen zu haben. In Zusammenhang mit einem geplanten Immobiliendeal in Moskau habe er noch während des Wahlkampfs für Trump Kontakt zum Kreml unterhalten.

Cohen kooperiert mit den Ermittlern, ohne einen förmlichen Deal eingegangen zu sein. Dass er seine unbedingte Loyalität zum heutigen Präsidenten offenbar aufgegeben hat, ist keine Kleinigkeit: Wenn es verschwörerische Aktivitäten gab, dürfte Cohen davon gewusst haben. Die ausstehende Strafempfehlung könnte wieder einen kleinen Knaller enthalten. Oder eben wieder nur ausreichend Stoff für die nächste Spekulation, es gehe Trump jetzt wirklich bald an den Kragen.