Zu Weihnachten hat US-Präsident Donald Trump zusammen mit seiner Frau Melania überraschend den US-Soldaten im Irak einen Besuch abgestattet. Aus Sicherheitsgründen wurde der Trip zuvor nicht öffentlich gemacht. Die Sprecherin von First Lady Melania sprach von einem "Überraschungsbesuch bei unseren mutigen Angehörigen der US-Streitkräfte".

Es war Trumps erster Besuch bei US-Soldaten in einem Kampfgebiet seit seinem Amtsantritt. Der Präsident landete auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asad. Dort traf er US-Soldaten und Führungspersonal der Armee. Laut seiner Sprecherin besucht Trump die Soldaten, um ihnen "für ihr Engagement, ihren Erfolg und ihr Opfer zu danken und um ihnen frohe Weihnachten zu wünschen".

"Wir werden als Nation wieder respektiert"

Trumps Besuch fällt in eine Zeit großer Unruhe im US-Verteidigungsministerium. Vergangene Woche hatte Trump angekündigt, die 2.000 US-Soldaten aus dem benachbarten Syrien abzuziehen, weil die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) besiegt sei. Die Entscheidung sorgte national wie international für deutliche Kritik. Experten halten den IS keineswegs für besiegt und einen Abzug für fatal.

In Folge von Trumps Entscheidung erklärte Verteidigungsminister James Mattis seinen Rücktritt. Zum Jahresanfang wird ihm sein bisheriger Vize Patrick Shanahan folgen. Der US-Sondergesandte für den Kampf gegen die IS-Miliz, Brett McGurk, gibt seinen Posten ebenfalls früher als ursprünglich vorgesehen ab.

Auch in Afghanistan will Trump die Truppenstärke stark reduzieren. Medienberichten zufolge soll die Hälfte der Soldaten von dort abziehen. Diese Entscheidung stieß ebenfalls auf viel Kritik. Trump entschied sich mit dem Irak nun für einen Truppenbesuch in einem anderen Krisengebiet.

Bei seinem Besuch im Irak verteidigte Trump seine Rückzugsentscheidung für Syrien erneut. "Wir sind nicht länger die Dummen, Leute", sagte er den Soldaten. "Wir werden als Nation wieder respektiert", sagte Trump und kündigte an, dass die USA nicht länger "der Weltpolizist" sein werden. Die US-Truppen in Syrien hätten laut Trump die Aufgabe gehabt, den IS zu vertreiben. Sie sollten aber nicht die syrische Nation neu aufbauen. "Vor acht Jahren sind wir für drei Monate dahingegangen und nie abgezogen. Jetzt machen wir das Richtige und werden es beenden", sagte Trump.

Der Präsident sagte, die Türkei habe zugestimmt, die Überreste des IS in Syrien zu vernichten. "Die Staaten der Region müssen es versuchen und mehr Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen", sagte er und versprach einen "starken, überlegten und ordentlichen Rückzug" aus Syrien. Kritiker wenden ein, mit dieser Entscheidung gebe Trump kurdische Verbündete der USA in Syrien preis, die jahrelang gegen den IS gekämpft haben und nun damit rechnen müssen, von der Türkei angegriffen zu werden. Diese hat bereits eine Offensive gegen den IS sowie gegen kurdische YPG-Kämpfer angekündigt.

US-Truppen im Irak sollen nicht abgezogen werden

Laut Trump könnte der Irak nötigenfalls weiter als Basis für US-Angriffe gegen den IS genutzt werden. Er habe überhaupt keine Pläne, US-Truppen aus dem Irak abzuziehen, sagte er. Die USA würden so hart und schnell gegen den IS zuschlagen, dass dieser gar nicht begreifen werde, was überhaupt los sei.

Der Truppenabzug aus Syrien dürfte sich auch auf den Irak auswirken. Dessen Armee hat zwar alle Städte und Dörfer des Landes wieder unter Kontrolle, nachdem vor etwa einem Jahr die letzten innerstädtischen Kämpfe zu Ende gegangen waren. Die militärische, politische und wirtschaftliche Lage ist jedoch weiter unsicher. Es kommt immer wieder zu Bombenanschlägen, Entführungen und Attentaten, die in der Regel dem IS zugeschrieben werden. Das Land verstärkt seine Grenztruppen, um das Einsickern von IS-Kämpfern zu verhindern, die in Syrien östlich des Euphrat noch Gebiete halten. Ministerpräsident Adil Abd al-Mahdi hat kürzlich erklärt, er könne auch Truppen nach Syrien schicken, um sein Land zu schützen.

Zwischenstopp in Ramstein

Trumps Visite fällt auch in eine Phase anderer innenpolitischer Turbulenzen. Wegen eines erbitterten Streits mit den oppositionellen Demokraten über den Haushalt und die Grenzsicherung zu Mexiko stehen seit Tagen die Regierungsgeschäfte in den USA teilweise wegen einer Haushaltssperre still. 

Nach dem Truppenbesuch im Irak landete die Air Force One des US-Präsidenten zu einem Zwischenstopp auf dem Militärflugplatz in Ramstein. Donald und Melania Trump trafen auf dem US-Stützpunkt in Rheinland-Pfalz am frühen Morgen Soldaten, die dort stationiert sind und ließen sich mit ihnen fotografieren. Anschließend flog das Präsidentenpaar zurück in die USA. Auch die Visite in Deutschland war nicht vorher angekündigt.