US-Präsident Donald Trump erwägt nach Angaben des einflussreichen republikanischen Senators Lindsey Graham eine Verzögerung des Truppenabzugs aus Syrien. "Der Präsident versteht die Notwendigkeit, die Arbeit zu Ende zu bringen", sagte Graham nach einem Gespräch mit Trump im Weißen Haus. Er gehe davon aus, dass der Präsident mit dem Abzug der US-Truppen warte, bis die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" vollständig besiegt sei.

Bislang hatte Trump von einem sofortigen Rückzug der rund 2.000 in Syrien stationierten US-Soldaten und Soldatinnen gesprochen. Graham hatte den US-Präsidenten vor dem Treffen aufgefordert, das zu überdenken. Der IS sei noch nicht besiegt und die Präsenz der Truppen daher weiterhin nötig, sagte er im Fernsehsender CNN. Bei dem Treffen habe Trump ihm dann einige Dinge zu Syrien erklärt, die er vorher nicht gewusst habe, sagte Graham. Das gebe ihm "ein viel besseres Gefühl dazu, worauf wir in Syrien zusteuern".

USA wollen Kurden nicht im Stich lassen

Trump denke "lang und hart" über Syrien und den Ablauf des Truppenrückzugs nach, sagte Graham weiter. Dabei spiele für Trump auch der Schutz der mit den USA verbündeten kurdischen Milizen eine Rolle. Die Kurden im Norden Syriens fürchten nach dem Abzug der US-Truppen eine weitere Offensive der Türkei. Dann würden die Kurden "massakriert", sagte der Senator. Der frühere Kritiker Trumps, der jetzt als sein Vertrauter gilt, warnte außerdem davor, dass der Iran der "große Gewinner" eines Rückzugs der USA werden könnte.

Trump hatte am 19. Dezember den sofortigen Beginn des Rückzugs US-Soldaten aus Syrien bekannt gegeben und den IS als "weitgehend besiegt" erklärt. Der Rückzug sollte laut Medienberichten dabei innerhalb weniger Monate geschehen. Die überraschende Ankündigung sorgte nicht nur bei den Verbündeten im Kampf gegen den IS für Kritik, sondern auch in den USA für Unverständnis. So traten nach Trumps Entscheidung der Verteidigungsminister James Mattis und der US-Sondergesandte für den Kampf gegen den IS, Brett McGurk, zurück.

Die USA stehen bislang an der Spitze einer internationalen Koalition, die den IS in Syrien aus der Luft bekämpft. Ihr wichtigster Verbündeter am Boden ist die Kurdenmiliz YPG, die im Nordosten des Landes die Syrischen Demokratischen Kräfte anführt. Sie wird dabei von den US-Truppen unterstützt, die nun abgezogen werden sollen. Die Türkei hatte zuvor gedroht, in das Gebiet einzumarschieren. Russland steht im Syrien-Krieg auf der Seite der syrischen Regierung unter Präsident Baschar al-Assad.

Angesichts der Pläne der US-Regierung hatten sich Russland und die Türkei am Samstag auf eine enge Abstimmung ihrer künftigen Einsätze in Syrien verständigt.