Als im Konferenzsaal Applaus aufbrandete, war klar: Der diplomatische Schachzug des UN-Vermittlers ist geglückt. Kurz vor Abschluss der ersten Jemen-Runde im Schloss Johannesbergs bei Stockholm hatte sich Martin Griffiths überraschend seinen Chef an die Seite geholt. UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprach noch einmal intensiv mit den Kriegsparteien. Der internationale Druck sollte wirken.

Die Kriegsgegner einigten sich am Donnerstag auf den derzeit wichtigsten Punkt der Verhandlungen: die Schonung und Entmilitarisierung der Hafenstadt Hudaida, dem zentralen Versorgungsknoten des Landes. Das werde die Lebensbedingungen für Millionen Jemeniten verbessern, erklärte Guterres und sprach von einem wirklichen Fortschritt, bevor er mit breitem Lächeln den ersten öffentlichen Handschlag der Anführer der beiden zwölfköpfigen Verhandlungsdelegationen quittierte.

Mit diesem Erfolg ist UN-Jemenvermittler Martin Griffiths ein Auftakt gelungen, dem im Januar weitere Schritte folgen sollen. Denn anders als vor zwei Jahren in Kuwait fanden die Verhandlungen diesmal in einer konstruktiveren Atmosphäre statt, auch, weil sich der internationale Kontext erheblich verschoben hat.

Manche verdienen prächtig am Krieg

Seit der saudische Königshof Anfang Oktober den Journalisten Jamal Khashoggi direkt vor türkischen Überwachungskameras und Abhörmikrophonen von einem Killerkommando kaltblütig erwürgen ließ, rückt auch der von Kronprinz Mohammed bin Salman im März 2015 begonnene, von der internationalen Gemeinschaft aber lange Zeit vergessene Krieg zunehmend in den internationalen Fokus. Zum ersten Mal rührten sich die Vereinigten Staaten als größter Waffenlieferant Riads und forderten ein Ende des Tötens.

Noch im September war Griffiths erster Jemen-Anlauf kläglich gescheitert, als die Huthi-Delegation aus Angst vor saudischen Racheakten gar nicht erst losflog. Erst die weltweite Empörung über den Khashoggi-Mord gab den internationalen Bemühungen dann neuen Schub, das "größte humanitäre Desaster der Gegenwart", wie es die Vereinten Nationen nennen, endlich zu beenden.

Trotzdem macht sich der erfahrene Krisendiplomat Griffiths keine Illusionen über den langen Weg, der vor ihm liegt. Die wirklich harten Themen lagen bisher noch gar nicht auf dem Tisch. Schon die komplexe Entmilitarisierung des Hafens von Hudaida in den nächsten Tagen und Wochen wird zeigen, wie weit der echte Friedenswille tatsächlich reicht. Denn auf beiden Seiten dominieren starke Kräfte, die an dem Krieg prächtig verdienen und denen das Schicksal der geschundenen Bevölkerung völlig egal ist.

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman stilisierte den Jemen-Feldzug von Anfang an hoch zum Paradefall arabischer Entschlossenheit gegen den ewigen Störenfried Iran, auch wenn seine hochgerüsteten Truppen selbst bei Grenzscharmützeln nicht mit den schlicht ausgestatteten schiitischen Kriegern fertig wurden. Die Vereinigten Arabischen Emirate wiederum, der engste Alliierte Riads, gehen längst eigene Wege. Das Ziel, die Huthis zu entthronen und Präsident Abed Rabbo Mansour Hadi zurück an die Macht zu bomben, hat Abu Dhabi aufgegeben.