Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrienationen ringen in Argentinien um ihre Handlungsfähigkeit. Das Zustandekommen einer gemeinsamen Abschlusserklärung, insbesondere zu den Streitthemen Welthandel, Klimaschutz und Migration, war zu Beginn des zweiten Gipfeltages noch offen. Vor allem aus den USA kam massiver Druck, etwa den Klimaschutz und vor allem die Verbindung zwischen Klimaerwärmung und Treibhausgasausstoß aus der Erklärung herauszuhalten. Auch das bei G20-Gipfeln seit zehn Jahren übliche Bekenntnis zum geregelten Welthandel wollen die USA weitgehend vermeiden.

Zugleich haben auch China und die Türkei Bedenken an dem vorliegenden Entwurf der Abschlusserklärung. Die Unterhändler der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer arbeiteten mit Hochdruck an einem Gipfel-Kommunique. "Es ist sehr kompliziert", sagte die russische Sherpa Swetlana Lukasch. Es gebe bei allen Kernthemen noch Differenzen. Die Vorbereitungen für einen Entwurf hätten noch nie so lange gedauert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel greift an diesem Samstag in das Gipfelgeschehen ein. Nach der Panne an ihrem Regierungsflieger war sie erst am Freitagabend in Buenos Aires eingetroffen – mit zwölf Stunden Verspätung und gerade pünktlich zu einer Kulturveranstaltung im berühmten Teatro Colon mit anschließendem Gala-Dinner. Am zweiten Gipfeltag wollte sie US-Präsident Donald Trump und den russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen.

G20-Gipfel - Angela Merkel trifft Trump und Putin Angela Merkel wird am Rande des G20-Gipfels auch Gespräche mit Donald Trump und Wladimir Putin führen. Zentrale Themen dürften der Handelsstreit mit den USA und die Eskalation im Ukraine-Konflikt sein. © Foto: Guido Bergmann/Bundesregierung via Getty Images

Bereits am ersten Tag der Beratungen gab es eine Reihe von bilateralen Treffen. So saßen Putin und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron etwa 20 Minuten zusammen. Der russische Staatschef erläuterte dabei sein Vorgehen in der jüngsten Ukraine-Krise, holte schließlich ein leeres Blatt Papier hervor und zeichnete das Asowsche Meer sowie die Straße von Kertsch und markierte den Fahrtverlauf ukrainischer Schiffe auf dem Blatt. "Er hat sich Zeit genommen, um seine Version des Vorfalls zu erklären, das hat etwa zehn Minuten gedauert", sagte eine französische Diplomatin.

Die russische Küstenwache hatte am Sonntag in der Meerenge vor der von Russland annektierten Halbinsel Krim drei ukrainische Marineschiffe beschossen und aufgebracht. Mehrere ukrainische Marinesoldaten wurden dabei verletzt. Insgesamt 24 Besatzungsmitglieder wurden festgenommen und von einem Gericht auf der Krim zu zweimonatiger Untersuchungshaft verurteilt. Die Soldaten wurden inzwischen nach Moskau überstellt.

Macron forderte während seines Treffens mit Putin, dass nun eine "Phase der Deeskalation" eingeleitet werden muss. Um dies zu erreichen, seien auch die dafür notwendigen Gesten erforderlich, sagte der französische Präsident.

Mit Spannung wird das geplante Treffen von US-Präsident Donald Trump mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping erwartet. Die beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China bekundeten am Freitag ihre Bereitschaft zu einer Einigung in dem Konflikt, bei dem sich beide Seite gegenseitig mit Strafzöllen auf Waren im Wert von Hunderten Milliarden Dollar überzogen haben.

Für möglich gehalten wird, dass der zuständige chinesische Vizeministerpräsident Liu He Mitte Dezember nach Washington reist, um die Verhandlungen zur Beendigung des Handelskonflikts fortzusetzen. Auch von amerikanischer Seite mehrten sich Signale, dass vielleicht eine vorläufige Einigung gefunden werden kann."Wir arbeiten sehr hart. Wenn wir einen Deal erreichen könnten, wäre das gut", sagte Trump.

Auch bei dem Treffen Merkels mit Trump soll es um die Frage von Autozöllen auf deutsche US-Exporte gehen. Vor allem aber dürfte das Thema Ukraine das auf etwa eine halbe Stunde angesetzte Gespräch dominieren. Trump setzt nach der von Russland eskalierten Situation in der Straße von Kertsch auf das Verhandlungsgeschick Merkels, die bereits kurz nach ihrer Ankunft im Teatro Colon kurz mit Putin sprach.