Die Regierung in Frankreich bemüht sich um Entspannung im Konflikt mit der Protestbewegung der Gelbwesten. Wie die Nachrichtenagentur AFP sowie mehrere französische Medien berichteten, will Premierminister Édouard Philippe in den kommenden drei Monaten intensive Gespräche mit den Aktivisten führen und zuvor "rasche Maßnahmen" verkünden. Kulturminister Franck Riester sagte nach einem Treffen des Regierungschefs mit Präsident Emmanuel Macron und weiteren Ministern im Élyséepalast am Montagabend, man wolle eine "starke Geste der Öffnung" zeigen.

Damit reagiert die Regierung in Paris auf die jüngste Eskalation der Proteste gegen sie. Am vergangenen Samstag kam es zu Krawallen und Ausschreitungen inmitten der französischen Hauptstadt, bei der auch der Triumphbogen – eines der wichtigsten nationalen Denkmäler – beschädigt worden war. Beobachter sprachen von bürgerkriegsähnlichen Szenen. Wie der Sender RTL berichtet, geht das Büro von Bürgermeisterin Anne Hidalgo inzwischen von Schäden in Höhe von bis zu vier Millionen Euro aus.

Insgesamt dauern die Proteste gegen die Reformpolitik von Staatschef Macron – ausgehend von den Demonstrationen der Gelbwesten gegen hohe Kraftstoffpreise, Steuern und Lebenshaltungskosten – inzwischen mehr als zwei Wochen. Am kommenden Wochenende hat die Bewegung erneut zu einem nationalen Aktionstag aufgerufen. Innenminister Christophe Castaner will ähnliche Szenen wie jene von Paris verhindern und berief für diesen Dienstag ein Treffen mit Vertretern der Polizeigewerkschaften ein, um mit ihnen über eine Strategie gegen die Gewalt bei den Protesten zu beraten.

Ein ebenfalls für diesen Dienstag geplantes erstes Treffen von Premier Philippe mit Vertretern der Gelbwesten kommt hingegen nicht zustande. Die Organisation hatte das Gespräch bereits am Montag aus Sicherheitsgründen abgesagt. Zwei Vertreter gaben an, sie seien von Hardlinern bedroht worden, weil sie mit Regierungsvertretern sprechen wollten. Die Delegation der Aktivisten, die Philippe treffen wollte, wird nicht von allen Teilnehmern der Bewegung anerkannt.

Zuletzt waren zwei Anhänger der Gelbwesten wegen Ausschreitungen in der zentralfranzösischen Stadt Le Puy-en-Velay zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt worden. In der zentralfranzösischen Stadt war am Samstagabend am Rande der Proteste die Präfektur in Brand gesetzt worden.

In einer Sondersitzung am kommenden Mittwoch will sich auch das Parlament mit den Protesten befassen. Bei ihren Gesprächen mit Premier Philippe hatten die Sozialisten und andere linke Gruppen gefordert, die zum 1. Januar angekündigte Ökosteuer auf Diesel auszusetzen und den Mindestlohn sowie die Renten von Geringverdienern zu erhöhen. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen forderte derweil die Auflösung der Nationalversammlung und Neuwahlen.