Nostalgie ist die erste Regung, die sich bei der Nachricht seines Todes einstellt. George H.W. Bush war mit seinem Stil und seiner politischen Erfahrung ein amerikanischer Bilderbuchpräsident. Ach, könnte man seufzen, säße nur heute einer wie er im Weißen Haus in Washington.

Dann wäre dort statt eines Mannes mit orangefarbener Tolle, wilden Ausfällen und verwirrender Programmatik ein Herr zu sehen. Ein eleganter, gut aussehender Neuengländer, der im Gegensatz zum aktuellen Amtsinhaber auf seine, die 41. Präsidentschaft, vorbereitet war wie kaum einer seiner Vorgänger oder Nachfolger. Und dem gerade wir Deutschen ungeheuer viel zu verdanken haben.

George H.W. Bush mag zwar, wie ihm von seinen politischen Gegnern oft vorgeworfen worden ist, am 12. Juni 1924 mit einem goldenen Löffel im Mund geboren worden sein. Doch er hat seinen Startvorteil zu einer beeindruckenden Lebensleistung genutzt. Sein Vater, der Senator Prescott Sheldon Bush, konnte stolz auf seinen Sohn sein: George war der jüngste Kampfpilot der US-Navy im Zweiten Weltkrieg, er absolvierte ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Yale-Universität, schloss eine Ehe, aus der sechs Kinder hervorgingen, und verdiente Millionen im texanischen Ölgeschäft.

Reagans Vize

Seine politischen Bemühungen im ruppigen "Lone Star State" hingegen verliefen weniger glücklich. Vielleicht war seine schwer übersehbare Neuengland-Aura dort nicht gefragt. Einer, dessen Familie sich im Sommer traditionell auf der idyllischen Landzunge Walker's Point in Maine erholte, schien jedenfalls nicht ins staubige Texas zu passen.

Nach vergeblichen Anläufen zum US-Senat verhalf ihm schließlich Präsident Richard Nixon in die nationale Politik. Nixon schickte ihn als amerikanischen Botschafter zu den Vereinten Nationen in New York. 1974 und 1975 war er für Präsident Gerald Ford Leiter des amerikanischen Verbindungsbüros in Peking. Mit seiner folgenden Aufgabe als Chef der CIA empfahl sich George Bush dann endgültig für höhere Weihen; damals war so etwas noch möglich, weil die Geheimdienste viel Ansehen genossen.

Während seiner Zeit als Vizepräsident neben Ronald Reagan von 1981 bis 1989 konnte Bush die Erkenntnisse und Erfahrungen sammeln, die ihm anschließend, als er selbst im höchsten Amt war, zugutekamen. So musste er in Vertretung Reagans mehrfach zu Trauerfeierlichkeiten für verstorbene sowjetische Generalsekretäre der Kommunistischen Partei (was bei der greisenhaften Besetzung im Kreml zur Routine zu werden schien) nach Moskau reisen. Seine Kondolenzbesuche wurden mitunter belächelt, aber sie hatten einen unschätzbaren Begleiteffekt: Er konnte ein Vertrauensverhältnis zum neu installierten KP-Chef Michail Gorbatschow aufbauen.

Diese Beziehung half dem Präsidenten Bush nicht nur dabei, zwei wichtige Kontrollverträge für Nuklearwaffen (Start I und II) abzuschließen, sie erwies sich im Nachhinein auch als ein Segen für die Bundesrepublik. George Bush senior mochte die Deutschen, nicht zuletzt ihr gutes Bier. Der Autor erinnert sich noch lebhaft daran, wie begeistert der Präsidentschaftsbewerber während seines Wahlkampfes an Bord der Air Force II von einem Gelage mit dem damaligen Nato-Generalsekretär Manfred Wörner schwärmte. Einen ganzen Kasten hätten sie gemeinsam geleert. Bei der Erinnerung schien er schon wieder Lust auf ein Bier zu bekommen.