Wegen der Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Smartphoneherstellers Huawei in Kanada hat China den US-Botschafter ins Pekinger Außenministerium einbestellt. Zuvor war bereits der kanadische Botschafter vorgeladen worden. Der stellvertretende Außenminister Le Yucheng habe dem US-Diplomaten Terry Branstad gegenüber "heftigen Protest" zum Ausdruck gebracht, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Meng Wanzhou, stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Huawei und Tochter des Konzerngründers Ren Zhengfei, war auf Betreiben amerikanischer Behörden am 1. Dezember am Flughafen von Vancouver festgenommen worden, als sie in ein anderes Flugzeug umsteigen wollte. Die USA beschuldigen Huawei, mithilfe einer Hongkonger Strohfirma Ausrüstung an den Iran verkauft zu haben und damit gegen US-Sanktionen verstoßen zu haben. Huawei bestreitet das. 

Vertreter der kanadischen Regierung sprachen sich bei Mengs Anhörung dagegen aus, sie auf Kaution freizulassen. Es bestehe Fluchtgefahr. Die Entscheidung über ihre mögliche Auslieferung an die USA könnte Monate dauern. In den Vereinigten Staaten drohten ihr nach Angaben der kanadischen Justiz mehr als 30 Jahre Haft.

Die chinesische Regierung hat Kanada für die Festnahme kritisiert. Der Schritt werde "schwerwiegende Konsequenzen" haben, berichtete Xinhua.

Huawei ist ein Schlüsselkonzern für die chinesische Wirtschaft. Das Unternehmen ist hinter Samsung und vor Apple der zweitgrößte Smartphone-Hersteller der Welt. In vielen Ländern wird Huawei eine zu große Nähe zur chinesischen Führung und zu den dortigen Sicherheits- und Geheimdiensten vorgeworfen.