Die UN-Welternährungsorganisation (WFP) wirft den Huthi-Rebellen im Jemen vor, Hilfslieferungen umgeleitet und unterschlagen zu haben. Immer wieder seien Lebensmittelrationen in der Hauptstadt Sanaa zum Verkauf angeboten worden, teilte die Organisation mit.

Nach Angaben des WFP steckt auch eine lokale Partnerorganisation, die eng mit den Huthis verbunden ist, hinter dem Betrug. In einigen Fällen seien zudem Empfängerlisten manipuliert und Aufzeichnungen gefälscht worden. So hätten Menschen Rationen erhalten, die keinen Anspruch darauf hatten. Es gäbe fotografische Beweise von Rebellen, die Lebensmittel beschlagnahmen und  Listen manipulieren.

Auch eine Recherche der Nachrichtenagentur AP ergab, dass Essenslieferungen im Jemen ihr Ziel häufig nicht erreichen. Auf verschiedenen Seiten hätten Konfliktparteien die Lieferungen blockiert oder mit Gewinn auf dem Schwarzmarkt verkauft.

"In einer Zeit, in der Kinder im Jemen sterben, weil sie nicht genug zu essen haben, ist das eine Gräueltat. Dieses kriminelle Verhalten muss sofort gestoppt werden", sagte der Exekutivdirektor des WFP, David Beasley. Er rief die Verantwortlichen dazu auf, sofort Maßnahmen einzuleiten, um die Entwendung zu beenden. Außerdem sollten sie sicherstellen, dass die Hilfen bei den Menschen ankommen, die sie dringend zum Überleben brauchen.

Anfang des Monats hatten sich die Konfliktparteien unter Vermittlung der UN auf eine Waffenruhe für den Hafen von Hudaida geeinigt. Am Wochenende teilten die Huthi-Rebellen mit, sie hätten mit dem Abzug aus Hudaida begonnen. Am Samstag äußerte sich der Leiter der UN-Beobachtermission im Jemen jedoch enttäuscht über die Entwicklungen um die Hafenstadt. Entgegen der Absprachen sei ein humanitärer Korridor in Richtung Sanaa nicht eingerichtet worden.

Die UN bezeichnen den Krieg im Jemen als derzeit schlimmste humanitäre Katastrophe weltweit. Nach jüngsten Angaben des UN-Nothilfekoordinators haben dort mittlerweile 20 Millionen Männer, Frauen und Kinder, also etwa zwei Drittel der Bevölkerung, große Probleme, an ausreichend Lebensmittel zu kommen.