Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sieht noch keine Rückkehrmöglichkeit für viele vertriebene Jesiden. In einem Bericht werfen die Aktivisten dem sogenannten "Islamischen Staat" (IS) die systematische Zerstörung der Lebensgrundlagen der Minderheit vor. Die Islamisten hätten Brunnen und Bewässerungsanlagen vergiftet und zerstört, Ackerland und Obstgärten vernichtet, Vieh und Landmaschinen gestohlen sowie weite Landstriche vermint.

Ein Jahr nachdem die irakische Regierung den militärischen Sieg über den IS erklärt hat, könnten die Jesiden deswegen immer noch nicht in die Dörfer zurück, heißt es in dem Bericht. Die Aktivisten fordern die irakische Regierung dazu auf, die ländlichen Gebiete aufzubauen. Von den einst 550.000 Jesiden sind 100.000 ins Ausland geflohen, Hunderttausende weitere leben heute in den Kurdengebieten in Lagern.

Die ethnisch-religiöse Minderheit der Jesiden im Nordirak wurde den Vereinten Nationen zufolge seit 2014 Opfer eines Völkermords durch den IS. In der Ideologie der Dschihadisten sind Jesiden "Ungläubige" und "Teufelsanbeter", weil sie auch einen Engel verehren. Zehntausende flohen 2014, als die Terrormiliz große Gebiete im Nordirak einnahm. Während der IS die meisten jesidischen Männer wohl tötete, verkauften die Extremisten die Frauen als Sklavinnen. Kurdische Kämpfer konnten die Islamisten 2015 aus der Region vertreiben.