EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat den EU-Staaten Heuchelei in Bezug auf die Diskussion um eine größere europäische Grenzschutztruppe vorgeworfen: "Alle EU-Staats- und Regierungschefs haben über zwei Jahre lang den besseren Schutz der europäischen Außengrenze gefordert", sagte Juncker im Gespräch mit der Welt am Sonntag.

Nachdem die EU-Kommission nun vorgeschlagen habe, die Zahl der europäischen Grenzschutzbeamten bis Ende 2020 auf 10.000 zu erhöhen, kämen nun plötzlich von vielen Seiten Bedenken: Die Pläne seien ein Eingriff in die nationale Souveränität, alles gehe viel zu schnell und die Zahlen seien zu hoch gegriffen. "Das ist doch eine himmelschreiende Heuchelei", sagte Juncker der Zeitung.

Die EU-Kommission hatte im September vorgeschlagen, der EU-Grenzschutzagentur Frontex bis 2020 eine ständige Reserve von 10.000 Einsatzkräften zur Verfügung zu stellen – das wären rund 8.500 mehr als heute. Die Staats- und Regierungschefs hatten den Schutz der Außengrenze gegen illegale Migration beim EU-Gipfel Ende Juni noch zur Priorität erklärt.

Viele EU-Staaten hatten sich zu den Frontex-Plänen der Kommission aber sehr kritisch geäußert. Der österreichische EU-Ratspräsident Sebastian Kurz schlug deshalb vor, die ständige Reserve erst bis 2027 auf 10.000 Beamte aufzustocken. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte Anfang des Monats 2025 als "machbaren Zeitplan" bezeichnet.

Juncker sagte, gerade diejenigen, die bislang den unterentwickelten Außengrenzschutz lautstark kritisiert hätten, wollten sich nun nicht engagieren. "So kann Europa nicht funktionieren. Wir müssen schnell handeln, damit wir vorbereitet und die EU-Außengrenzen auch wirklich unter Kontrolle sind." Die Mitgliedstaaten sollten ihre Bedenken hintanstellen und den vorgeschlagenen Außengrenzenschutz zügig verabschieden, forderte der EU-Kommissionspräsident.