Jemen - Friedensgespräche in Schweden Die Konfliktparteien treffen sich zum ersten Mal nach drei Jahren, um über ein Ende des Krieges zu sprechen. Im Jemen sind seit 2015 85.000 Kinder gestorben. © Foto: Stina Stjernkvist/AFP/Getty Images

Zu Beginn der Friedensgespräche für den Jemen haben sich die Kriegsparteien Berichten zufolge auf einen Gefangenenaustausch geeinigt. Mindestens 5.000 Gefangene sollen laut dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz freikommen. Die Organisation erklärte sich bereit, dabei behilflich zu sein.

Man habe bei den Gesprächen in Schweden vereinbart, Gefangene, Häftlinge, Vermisste, gewaltsam Festgehaltene und Personen unter Hausarrest auszutauschen, sagte der UN-Sonderbeauftragte für den Jemen, Martin Griffiths. Tausende Familien könnten dadurch wieder vereint werden. Griffiths sprach von einem hoffnungsvollen Auftakt der Gespräche.

Derzeit treffen sich Vertreter der jemenitischen Regierung und der Huthi-Rebellen nach drei Jahren Bürgerkrieg in einem Ort nahe Stockholm. Im September war ein am UN-Sitz in Genf angesetztes Treffen noch gescheitert, weil Vertreter der Rebellen nicht erschienen waren. 

Griffiths sagte, beide Seiten hätten bei Telefonaten in den vergangenen Wochen signalisiert, dass sie sich ernsthaft bemühen wollen, die Kämpfe zu deeskalieren. Er bemühte sich zum vorsichtigen Optimismus: "Während der kommenden Tage werden wir eine einzigartige Gelegenheit haben, den Friedensprozess nach vorne zu bringen", sagte der UN-Sonderbeauftragte im Beisein der Delegierten beider Kriegsparteien. "Ich will mich nicht zu zuversichtlich zeigen, aber ich will ambitioniert sein", sagte er.

Langfristiges Ziel der Gespräche unter der Ägide der Vereinten Nationen ist eine Beendigung des Bürgerkriegs. Im Moment aber gehe es noch nicht um weitreichende Friedensverhandlungen, sondern lediglich um "Beratungen", sagte Griffiths. Diese zielten nach fast vier Jahren Krieg darauf ab, "Vertrauen aufzubauen" und die Gewalt einzudämmen.

Stellvertreterkrieg Saudi-Arabien gegen Iran

Die verfeindeten Parteien werden in Schweden allerdings voraussichtlich nicht direkt miteinander sprechen. Stattdessen sind indirekte Gespräche über Vermittler geplant. Im Jemen kämpft die international anerkannte Regierung mit Unterstützung Saudi-Arabiens und der USA gegen die Huthi-Rebellen, die wiederum vom Iran unterstützt werden.

Griffiths rief die Konfliktparteien auf, von der Konferenz eine Botschaft des Friedens zu senden. Er will über mehrere Streitpunkte sprechen, die beiden Seiten wichtig sind. Neben dem Gefangenenaustausch soll es um die Freigabe von Geld an die Zentralbank gehen, um Staatsbedienstete entlohnen zu können, um eine mögliche Übergabe der Hafenstadt Hudaida an die UN und eine Öffnung des Flughafens Sanaa für Hilfslieferungen.

Millionen Hungernde und Vertriebene

Der Bürgerkrieg im Jemen hat zur gegenwärtig schwersten humanitären Krise auf der Welt geführt. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist vielerorts zusammengebrochen. Mehr als acht Millionen Menschen leiden Hunger, laut den UN sind 14 Millionen davon bedroht. Mehr als zwei Millionen wurden im Bürgerkrieg aus ihrer Heimat vertrieben. Mindestens 10.000 Menschen starben; Experten schätzen die Zahl der Todesopfer aber noch wesentlich höher.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen rief alle Kriegsparteien auf, das Leid der Bevölkerung zu lindern. Zudem müsse der Schutz von Krankenhäusern und Gesundheitspersonal gewährleistet sein: "Geld allein ist nicht genug", sagte Jana Brandt, die von Berlin aus Projekte im Jemen mitkoordiniert. Oft würden Verwundete zu spät in Kliniken eingeliefert, sodass sie nicht mehr gerettet werden könnten.

Das Welternährungsprogramm kündigte an, seine Lebensmittellieferungen in das Land deutlich auszuweiten. Die Zahl der Hilfsempfänger solle bis Januar auf zwölf Millionen von derzeit sieben bis acht Millionen vergrößert werden, sagte ein Sprecher.