Die Nachricht über seine Abberufung wird John Kelly weniger überrascht haben als seine Berufung zum Stabschef des Weißen Hauses im Sommer 2017. Die kam damals im typischen Donald-Trump-Stil: via Twitter. Kelly war damals noch Heimatschutzminister. Zwar war er mit dem US-Präsidenten darüber im Gespräch, die Nachfolge von Reince Priebus im West Wing anzutreten. Wann dies verkündet werden sollte, darüber waren sich die beiden Männer aber noch nicht einig.  

Doch das Erratische gehört dazu, wenn man sich ins Team Trump einreiht. So musste das nun auch John Kelly erfahren. Dieser hat in seiner Karriere immer das Gegenteil gelebt: Diszipliniert, kontrolliert, pflichtbewusst, das sind die Eigenschaften, die man mit dem ehemaligen General der US-Marines verbindet.

Ideale Voraussetzungen für die Position des Stabschefs, aber nicht gerade für die Zusammenarbeit mit Donald Trump. Der, so schreiben US-Medien immer wieder, am liebsten gar keinen chief of staff hätte und alles selbst regeln würde. Es war daher für viele ein kleines Zeichen der Hoffnung, als Trump sich im vergangenen Sommer für John Kelly entschied.

Die Aufgabe des Stabschefs ist es, das Weiße Haus zu organisieren, den Zugang zum Oval Office zu koordinieren und dabei zu helfen, politische Prioritäten zu setzen. John Kelly, so hofften viele, würde das Chaos von Donald Trump wenigstens ein bisschen einhegen können und für Stabilität sorgen. Er galt als Stimme der Vernunft im engen Zirkel des Präsidenten, der vor allen Dingen auf Loyalität Wert legt – nicht unbedingt auf Kompetenz.

"Der schlimmste Job"

Diese Hoffnung wurde am Samstagabend endgültig enttäuscht, als Trump verkündete, dass Kelly seinen Posten zum Ende des Jahres verlassen werde. Kelly selbst wird darüber nicht unglücklich sein. "Es ist nicht der beste Job, den ich je hatte", sagte Kelly zu Journalisten erst im Oktober. Später wird daraus sogar "der schlimmste Job". In den vergangenen Monaten verbrachte Kelly seine Vormittage, auch das kolportieren die Reporter im Weißen Haus, nicht mehr regelmäßig an seinem Arbeitsplatz, sondern im Fitnessstudio.

Dass es Kelly überhaupt zum Stabschef brachte, hatte er vor allem seiner Haltung zu Trumps restriktiver Einwanderungspolitik zu verdanken. Diese unterstützte Kelly als Heimatschutzminister ausdrücklich, sprach sich für den travel ban aus. Dass Kelly, der Viersternegeneral, den Job annahm, ist wohl auch seinem Pflichtgefühl geschuldet gewesen. Trump lobte Kelly damals als "großen Amerikaner".

Zunächst schien es, als habe Kelly mit seiner militärisch-disziplinierten Art Einfluss. Zum einen auf die Vorgänge im Weißen Haus, unter ihm als Stabchef gingen nicht mehr einfach unkontrolliert Menschen im Oval Ovice ein und aus. Zum anderen auf Trump: Unter Kelly verlor einer der prominentesten Einflüsterer des Präsidenten seine Wirkungsmacht. Steve Bannon, der rechte Demagoge, musste das Weiße Haus verlassen, keine drei Wochen, nachdem Kelly Stabschef geworden war.