Nach den Wahlen hat in der Demokratischen Republik Kongo am Sonntagabend die Auszählung der Stimmen begonnen. Knapp 39 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren mit mehr als zweijähriger Verspätung zur Wahl eines Nachfolgers von Joseph Kabila aufgerufen. In Kinshasa und Goma waren die Wahllokale wegen Problemen mit den Wahlmaschinen und verspätetem Beginn der Abstimmung länger geöffnet als geplant.

Die Partei von Kabila stellte den früheren Innenminister Emmanuel Ramazani Shadary als seinen Nachfolgekandidaten auf. Seine Konkurrenten sind die Oppositionskandidaten Félix Tshisekedi und Martin Fayulu. Abgestimmt wurde zudem über ein neues Parlament und neue Provinzregierungen.

Die Auszählung begann am Abend unter anderem in der Kommune Kintambo in Kinshasa und in mehreren Wahlzentren in Goma. In einem Wahllokal in Lubumbashi lag Fayulu nach Auszählung der 239 abgegebenen Stimmen in Führung. Kabilas Kandidat Shadary beanspruchte dennoch noch vor Schließung der Wahllokale den Sieg für sich. Kabila lobte in einer Fernsehansprache den Ablauf der Wahl in "Frieden und Würde".

Fehlende Wählerlisten und defekte Wahlmaschinen

Die Abstimmung ist eine logistische und politische Herausforderung für das arme, verkehrstechnisch kaum erschlossene Land, dessen jüngere Geschichte von einer Vielzahl an Konflikten mit Gewalt geprägt ist. Kinshasa hatte logistische Unterstützung der Vereinten Nationen ebenso abgelehnt wie eine westliche Wahlbeobachtermission.

Bei einem Vorfall in einem Wahllokal in Walungu in der Provinz Süd-Kivu wurden ein Polizist, ein Mitarbeiter der Wahlbehörde und zwei Zivilisten getötet, wie der Wahlkampfleiter des Oppositionskandidaten Félix Tshisekedi sagte.

In der Oppositionshochburg Limete in Kinshasa gab es Proteste, nachdem das Wahllokal zunächst aufgrund fehlender Wählerlisten nicht öffnete und die Listen schließlich vom Chef der Wahlkommission persönlich gebracht wurden. Eine ältere Dame in Kinshasa berichtete von Schwierigkeiten mit dem Touchscreen der Wahlmaschine: "Es ist sehr kompliziert, ich habe den Knopf gedrückt, ohne wirklich zu wissen, wen ich gewählt habe." 

Ein Wahlbeobachter im südlichen Lubumbashi sagte, in mehreren Wahllokalen funktionierten die Wahlmaschinen nicht. Hintergrund war offenbar unzureichende Stromversorgung.

"Potenzial für Gewalt sehr hoch"

Da mögliche Verzögerungen und das Risiko von Problemen am Wahltag ein verzerrtes Ergebnis liefern könnten, waren bereits im Vorfeld Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Wahl aufgekommen.

Die Opposition wertete das Chaos als weiteres Manöver Kabilas, sich länger im Amt zu halten. Kabilas Amtszeit hätte eigentlich bereits Ende 2016 enden sollen, doch die Wahl seines Nachfolgers wurde mehrmals verschoben. Würde das Ergebnis wegen der Pannen angefochten, könnte Kabila versuchen, nach 17 Jahren noch weiter an der Macht zu bleiben, sagte Oppositionskandidat Tshisekedi.

Sollten die Wahlen frei und fair ablaufen, sei mit dem Sieg eines Oppositionskandidaten zu rechnen, hatte Jason Stearns von der Kongo-Forschungsgruppe an der New York University vorab erklärt. In Umfragen liege Fayulu mit 44 Prozent vorn, gefolgt vom Oppositionskandidaten Tshisekedi mit 24 Prozent und Shadary mit 18 Prozent, so Stearns.

Nun sei "das Potenzial für Gewalt extrem hoch", sagte Stearns: Etwa die Hälfte der Befragten wolle das Ergebnis nicht anerkennen, sollte Shadary zum Sieger erklärt werden.

Ein vorläufiges Ergebnis der Präsidentschaftswahl soll nach Angaben der unabhängigen Wahlkommission am 6. Januar verkündet werden. Die Amtseinführung des neuen Staatschefs ist für den 18. Januar geplant.