Vor 70 Jahren, am 10. Dezember 1948, verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen ein bahnbrechendes, geradezu revolutionäres Dokument: die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs, den monströsen Verbrechen Nazideutschlands und den ersten Enthüllungen der Grausamkeiten Josef Stalins schrieben die damals 56 Staaten der Vereinten Nationen in Artikel 1: "Alle Menschen sind frei geboren und gleich an Würde und Rechten. Alle haben Vernunft und Gewissen und sollten untereinander im Sinn der Brüderlichkeit handeln." 

Obwohl rechtlich nicht verbindlich, entwickelte die Erklärung eine große katalysatorische Wirkung. Ihr Bekenntnis zu den unveräußerlichen Menschenrechten wurde zum Vorbild für zahlreiche rechtsbindende Dokumente, wie etwa die Europäische Menschenrechtskonvention oder die Genfer Flüchtlingskonvention. Der 10. Dezember ist seither auch der Tag der Menschenrechte, an ihm wird auch jedes Jahr im Rathaus zu Oslo der Friedensnobelpreis überreicht.

Vor drei Jahren, als über eine Million Flüchtlinge aus dem Nahen und Mittleren Osten Zuflucht in Europa suchten, wurde dieser Preis vier tunesischen Organisationen verliehen. Der Verbund aus Gewerkschaft, Arbeitgeberverband, Anwaltskammer und Menschenrechtsliga hatte sich
 für den demokratischen Wandel eingesetzt und geholfen, einen Bürgerkrieg in Tunesien zu vermeiden.

Menschen werden auf der Flucht getötet, vergewaltigt, versklavt

"Das resolute Eingreifen des Quartetts", begründete damals die Vorsitzende der Friedensnobelpreis-Jury die Entscheidung, "hat dazu beigetragen, die Spirale der Gewalt zu stoppen." Hätten die Menschen in allen Ländern so gehandelt und auch dort die Grundlagen für Dialog, Toleranz, Demokratie und Recht geschaffen, sagte Kaci Kullmann Five, dann "wären wesentlich weniger Menschen zur Flucht gezwungen". Man könnte getrost hinzufügen: Dann wären in den vergangenen Jahren auch wesentlich weniger Menschen auf ihrer Flucht vergewaltigt, versklavt und getötet worden.

Nach Schätzungen des Europäischen Parlaments starben seit dem Jahr 2000 rund 30.000 Flüchtlinge und Migranten auf dem Weg aus ihrer Heimat in die EU. Allein in den ersten elf Monaten dieses Jahres ertranken laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und der Internationalen Organisation IOM mehr als 2.100 Menschen im Zentralen Mittelmeer.