US-Präsident Donald Trump hat sich dafür ausgesprochen, dass sein Ex-Anwalt Michael Cohen eine Gefängnisstrafe verbüßen muss. "Das heißt, er kann alle diese schrecklichen Dinge tun, die nicht mit Trump in Zusammenhang stehen, sondern mit Betrug, großen Krediten, Taxis etc. zusammenhängen, und muss keine lange Gefängnisstrafe absitzen?", schrieb Trump auf Twitter und bezog sich damit auf Cohens Anwälte, die vor einem Gericht forderten, dass ihr Mandant nicht ins Gefängnis muss. Seiner Meinung nach müsse Cohen eine Strafe in vollem Maße verbüßen, twitterte der US-Präsident.

Cohen hatte in der vergangenen Woche überraschend gestanden, dass er vor dem US-Kongress bezüglich der Russland-Affäre gelogen hat – aus Loyalität zu Trump. Bei der Affäre geht es unter anderem um den Bau eines Trump Towers in Moskau. Cohen gab zu, zum Zeitpunkt der Verhandlungen über das Bauprojekt falsche Angaben gemacht zu haben, damit sie in Einklang mit Trumps politischer Botschaft erschienen. Im Kongress hatte der Jurist gesagt, dass das Trump-Tower-Projekt im Januar 2016 beendet worden sei. Nach seiner jetzigen Darstellung wurde es aber bis Juni 2016 fortgesetzt, als Trump die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner sicher hatte.

Trump bezeichnete die Aussagen Cohens als frei erfunden. Vor seinem Abflug zum G20-Gipfel nach Argentinien am Wochenende sagte der US-Präsident vor Journalisten, dass Cohen lüge, um eine mildere Strafe zu bekommen. Cohen kooperiert mit FBI-Sonderermittler Robert Mueller und anderen Ermittlern. Seine Anwälte argumentieren, dass er es wegen dieser Zusammenarbeit verdiene, nicht ins Gefängnis zu müssen.

Trump schrieb in einem weiteren Tweet, Mueller gehe es nicht darum, die Wahrheit zu finden – er sei nur an Lügen interessiert. Der Sonderermittler untersucht, ob es bei der mutmaßlich russischen Einflussnahme auf den US-Präsidentschaftswahlkampf Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Vertretern Russlands gab. Der US-Präsident hat die Ermittlungen wiederholt als Hexenjagd bezeichnet.

Cohen arbeitete zehn Jahre lang für Trump, als dieser mit seinem Immobilien- und Lizenzgeschäft, mit Fernseh- und Werbeauftritten viel Geld verdiente. Bereits im August hatte der Jurist sich des Betrugs schuldig bekannt. Vor einem Bundesrichter in New York hatte Cohen damals unter anderem eingeräumt, Schweigegeld in Höhe von 130.000 beziehungsweise 150.000 Dollar an die Pornodarstellerin Stormy Daniels beziehungsweise das Ex-Playmate Karen McDougal gezahlt zu haben, die nach eigenen Angaben sexuelle Kontakte zu Trump hatten.