Die britische Presse ist sich einig: Theresa May ist angeschlagen aus dem gewonnenen Misstrauensvotum hervorgegangen. Die BBC stellt sie als Boxerin mit dicken roten Boxhandschuhen dar, die Einschätzung von Reporterin Laura Künssberg komplettiert das Bild: Das Ergebnis der Abstimmung sei kein Erfolg, sondern lediglich ein Überlebensmoment. "Es war ein weiterer großer Schlag für die Glaubwürdigkeit der Premierministerin und keine Lösung für den Stillstand im Parlament. Sie hat überlebt, ihr Brexit-Kompromiss kann es in seiner derzeitigen Form nicht", schreibt Künssberg auf Twitter.

Polly Toynbee schreibt im Guardian: "Obwohl sie möglicherweise die schlechteste Taktikerin aller Zeiten ist, lebt sie mindestens noch ein Jahr." Toynbee tituliert May als "Brexit bungler" – Brexit-Stümperin – die aber, im Vergleich zu ihren Feinden, eine ausgezeichnete Strategin sei. Ihre Gegner hätten schon auf dem Weg zum Misstrauensvotum, bei dem 48 Abgeordnete der Premierministerin schriftlich ihr Vertrauen entziehen müssen, Fehler gemacht: "Blind vor Wut konnten ihre Gegner dem Drang nicht widerstehen, die 48 Briefe zu veröffentlichen, bevor sie genügend Stimmen zusammenhatten, um sie zu stürzen. Was für Idioten!" Das habe May mit neuer Glaubwürdigkeit wiederbelebt. "Im Moment bekommt nicht nur May ein neues Leben, sondern auch ihr Brexit-Plan." 

Martin Kettle bewertet die Abstimmung ebenfalls im Guardian als überflüssig, als Nicht-Event, das nur gezeigt habe, was längst alle wissen: dass die Tories gespalten sind. Das rühre vor allem daher, dass in der Partei zwei Sichtweisen des Konservativismus aufeinanderträfen: die Thatcher-Kinder auf der einen und auf der anderen Seite diejenigen, die die weiße Tradition des Establishments vertreten, das größtenteils aus englischer und nicht aus britischer Mentalität bestehe. 

Times-Autor Max Hastings zieht den Vergleich zwischen Theresa May und Margaret Thatcher, die 1990 ebenfalls von ihrer eigenen Partei angezählt wurde und darüber ihr Amt verlor. Das sollte May erspart bleiben – der Sturz der "Eisernen Lady" sei eine Lehre gewesen, wie ein Verlust moralischer Autorität sich als tödlich erweisen könne, schreibt Hastings.

May hatte sich am Mittwoch mit einer knappen Zweidrittelmehrheit in einer parteiinternen Misstrauensabstimmung durchgesetzt. Sie kann damit als Parteichefin und Premierministerin weitermachen. Weiter unklar bleibt, wie sie ihren Brexit-Deal durchs Parlament bringen will. An diesem Donnerstag beschäftigt sich der EU-Gipfel noch einmal mit den Austrittsplänen.