Frankreich - Emmanuel Macron fordert Dialog mit Demonstranten Nach erneuten Protesten der Gelben Westen will Frankreichs Regierung auf die Demonstrierenden zugehen. Der Ausnahmezustand soll nicht verhängt werden. © Foto: Stephane Mahe/Reuters

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Regierung zu Gesprächen mit den sogenannten Gelbwesten aufgefordert. Er habe Premierminister Édouard Philippe angewiesen, Vertreter der Protestbewegung sowie die Spitzen der im Parlament vertretenen Parteien zu empfangen, teilte der Élysée-Palast nach einer Krisensitzung des Kabinetts mit. Die Gespräche sollen am Montag beginnen, hieß es aus Philippes Büro.

Pläne für ein früheres Treffen zwischen Philippe und Repräsentanten der Bewegung waren vor wenigen Tagen gescheitert, nachdem die Forderung der Protestierenden nach einer Liveübertragung der Gespräche abgelehnt worden war.

Nach Angaben des Élysée-Palasts verlangte der Präsident außerdem, dass Innenminister Christophe Castaner über eine Anpassung des Polizeiaufgebots nachdenke. Macron selbst wollte sich zunächst nicht öffentlich zu den Krawallen äußern, die seit Tagen die Politik in Frankreich beschäftigen.

Der zunächst friedliche Protest gegen die Regierungspolitik war in Paris in Gewalt umgeschlagen. Während der Ausschreitungen hatte es am Samstag 133 Verletzte und 412 Festnahmen gegeben, wie die Polizei in einer ersten Bilanz mitteilte. In den Straßen entstand Chaos: Randalierende errichteten Barrikaden, zündeten Autos an und warfen Fensterscheiben ein. Der Triumphbogen wurde mit Graffiti besprüht. Die Ordnungskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein. 5.000 Polizisten waren im Einsatz. Unter den Verletzten waren nach Behördenangaben auch 23 Polizisten. 378 der Festgenommenen wurden in Polizeigewahrsam genommen.

Spekulationen über Verhängung des Ausnahmezustands

Der Protest richtet sich unter anderem gegen Steuererhöhungen, insbesondere für Kraftstoffe, und hohe Lebenshaltungskosten. Als Erkennungszeichen tragen die Anhänger und Anhängerinnen der Bewegung gelbe Warnwesten, wie sie für Autofahrer im Fall einer Panne oder eines Unfalls vorgeschrieben sind. Sie fordern von der Regierung, dass sie den Mindestlohn und die Renten erhöhen soll. Nach Angaben des Innenministeriums hatten sich geschätzt 75.000 Menschen am dritten landesweiten Aktionstag der sogenannten Gelbwesten beteiligt.

In französischen Medien wurde am Sonntag gemutmaßt, ob die Regierung den Ausnahmezustand verhängt. Innenminister Castaner hatte dazu am Samstagabend in einem Interview mit dem Sender BFM TV gesagt, die Regierung werde alle Möglichkeiten prüfen.

Gelbwesten - Französische Regierung erwägt Verhängung von Ausnahmezustand Nach den Ausschreitungen in Paris diskutiert die französische Regierung die Verhängung des Ausnahmezustands. »Es würden alle Optionen geprüft«, sagte ein Regierungssprecher. © Foto: Thibault Camus/AP/dpa