Der russische Präsident Wladimir Putin hat davor gewarnt, dass die Gefahr für einen Atomkrieg steige. Er verwies bei seiner Jahrespressekonferenz darauf, dass die US-Regierung aus dem INF-Vertrag für atomare Mittelstreckenraketen aussteigen will. Wegen dieser Entscheidung hatte er schon zuvor vor einem Wettrüsten gewarnt. Wenn die USA in Europa Mittelstreckenraketen stationierten, wäre Russland gezwungen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sagte Putin.

"Wenn, Gott verhüte, so etwas passiert, kann das zur Vernichtung der ganzen Zivilisation führen, wenn nicht des ganzen Planeten", sagte der russische Präsident. Die Verantwortung für die wachsende Gefahr sieht er von den USA ausgehen. Russland wolle mit neuen Waffen nur das Gleichgewicht halten. "Wir wahren nur die Balance, sorgen für unsere Sicherheit", sagte Putin.

Der russische Präsident wies auch darauf hin, dass westliche Analysten von der Möglichkeit sprächen, Atomwaffen mit geringer Sprengkraft einzusetzen. Wenn die Schwelle für deren Einsatz gesenkt werde, könne dies zu einem großen Atomkrieg führen, sagte er. Putin kritisierte zudem Überlegungen in den USA, ballistische Raketen mit konventionellen Sprengköpfen einzusetzen. Wenn eine solche Rakete gestartet werde, könne sie für eine Atomrakete gehalten werden und eine globale Katastrophe auslösen, sagte Putin.

Zwischen Russland und den USA schwelt seit Monaten ein Streit um den Vertrag, der atomare Mittelstreckenraketen verbietet. Die USA haben Russland beschuldigt, gegen den INF-Vertrag zu verstoßen, und angekündigt, ihre Verpflichtungen aus dem Vertrag im Februar auszusetzen. Russland hat wiederum beteuert, nicht gegen den Vertrag zu verstoßen.

Putin lobt russische Wirtschaft

Den angekündigten Abzug der US-Truppen aus Syrien hat Putin begrüßt. Allerdings sehe er bisher noch keine Anzeichen dafür, dass die US-Truppen tatsächlich abgezogen würden. Er teile die Einschätzung von US-Präsident Donald Trump, dass die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien weitgehend besiegt sei, sagte Putin.

Trump hatte am Vortag den vollständigen Abzug der US-Truppen angekündigt. Putin verwies darauf, dass US-Soldaten ohne internationales Mandat in Syrien seien. Eine Friedensregelung mache Fortschritte, deshalb sei es nicht länger nötig, dass US-Soldaten präsent seien, sagte er.

Die Beziehungen Russlands zum Nachbarland Ukraine würden sich in absehbarer Zukunft wohl nicht normalisieren, sagte Putin. "Solange in den Kiewer Machtetagen Russophobe sitzen, die sich über die Interessen ihres eigenen Volkes hinwegsetzen, ändert sich an der Situation nichts, ganz egal wer im Kreml sitzt", sagte er. Sein Land sei an Frieden und Wohlstand in der Ukraine interessiert, da das Nachbarland einer der größten Wirtschaftspartner sei. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern sei zuletzt gestiegen, sagte Putin.

Der Konflikt zwischen beiden Ländern hatte sich Ende November erneut zugespitzt. Die russische Küstenwache hatte vor der Halbinsel Krim Boote der ukrainischen Marine gewaltsam an der Fahrt durch die Meerenge von Kertsch gehindert. Die Boote samt Besatzung wurden festgesetzt. Russland hatte 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert. Viele Länder sehen darin einen Verstoß gegen das Völkerrecht.

Bei der Wirtschaft listete Putin eine Reihe positiver Entwicklungen auf. Die Realeinkommen der Bevölkerung seien 2018 erstmals wieder um 0,5 Prozent gestiegen. Das Bruttoinlandsprodukt sei in den ersten zehn Monaten um 1,7 Prozent gewachsen. Für das Gesamtjahr werde ein Wachstum von 1,8 Prozent erwartet. Die Jahresinflation werde mit 4,1 Prozent etwas höher ausfallen als erwartet, sagte der Kremlchef. Russland brauche aber weiterhin einen Durchbruch beim wirtschaftlichen Wachstum.