Bestraft werden soll Michael Flynn für seine Lügen gegenüber Ermittlern über seine Russland-Kontakte vor dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump. Da er mit dem FBI kooperiert, war erwartet worden, dass der frühere Sicherheitsberater des Präsidenten am Dienstag mit einer milden Strafe davonkommt. Doch Bundesrichter Emmet Sullivan verschob die Verkündigung des Strafmaßes und setzte zunächst keinen neuen Termin für eine Urteilsverkündung fest. US-Sonderermittler Robert Mueller hat damit weiter Zugriff auf Michael Flynn, einen der wichtigsten Zeugen in der Russland-Affäre.

In der Anhörung machte der Richter deutlich, dass er eine harte Bestrafung Flynns wegen "verräterischen" Verhaltens für gerechtfertigt hält. FBI-Ermittler Mueller hatte dem Gericht jedoch zuvor empfohlen, den früheren Sicherheitsberater nicht zu inhaftieren. Als Grund dafür gab Mueller an, Flynn habe intensiv an den Ermittlungen zu den Vorgängen um Trumps Wahl zum US-Präsidenten mitgearbeitet und dabei substanzielle Erkenntnisse geliefert.

Der Richter verwies auf die Schwere von Flynns Vergehen und wollte Muellers Empfehlung vorerst nicht folgen. "Ich will meine Abscheu und meine Verachtung nicht verbergen", sagte er an den Angeklagten gewandt. "Sie haben Ihr Land verkauft." Dies sei ein "sehr schweres Verbrechen". Der Richter sagte, dass er Flynns Beitrag zu den Ermittlungen noch nicht einschätzen könne und der Empfehlung zur Haftverschonung daher noch nicht nachkommen könne. Er bot Flynn an, auf der Stelle eine harte Strafe zu verhängen, oder die Verkündung des Strafmaßes aufzuschieben, bis sein Beitrag zu Muellers Ermittlungen klarer erkennbar sei. Nachdem er die Entscheidung über das Strafmaß vertagt hatte, ordnete Sullivan für Flynn verschärfte Auflagen an. Ab dem 4. Januar muss Flynn in einem Radius von 80 Kilometern rund um den Hauptstadtbezirk District of Columbia bleiben.

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Vor gut einem Jahr hatte Flynn zugegeben, bei den FBI-Vernehmungen vorsätzlich falsche Angaben über Kontakte zu dem damaligen russischen Botschafter in den USA, Sergej Kisljak, gemacht zu haben. Er war das erste ehemalige Mitglied der Trump-Regierung, das sich im Zuge der Nachforschungen Muellers schuldig bekannt hatte. Als seine Lügen ans Licht kamen, trat Flynn im Februar 2017 nach nur rund dreiwöchiger Amtszeit zurück. Später vereinbarte er, mit dem Sonderermittler zu kooperieren und zeigte sich in mehreren Befragungen sehr kooperativ.