Tausende Menschen haben in Serbien die vierte Woche in Folge gegen Präsident Aleksandar Vučić protestiert. Die Demonstranten und Demonstrantinnen zogen mit Transparenten mit Aufschriften wie "Genug der Lügen" oder "Ich werde nicht schweigen" durch das Zentrum von Belgrad, pfiffen und skandierten "Vučić Dieb!", während sie den Verkehr blockierten. Mehreren Augenzeugen zufolge sollen es etwa 20.000 Menschen gewesen sein.

Die Proteste gelten als bisher größte Demonstration gegen sie serbische Regierung. Zu den Kundgebungen hatte ein Bündnis von Oppositionsparteien aufgerufen, in dem sich linke, aber auch ultra-rechte Parteien zusammengetan haben. Viele Teilnehmende trugen während der Demonstration Trillerpfeifen – wie bei den Massenprotesten in den 1990er-Jahren gegen den früheren serbischen Machthaber Slobodan Milošević. Vučić hatte in den vergangenen Tagen erklärt, er sei "bereit, den demonstrierenden Bürgern zuzuhören, jedoch nicht den Lügnern der Opposition".

Die Proteste hatten sich an einem schweren Angriff auf einen Oppositionspolitiker im November entzündet. Der Vorsitzende der Serbischen Linken, Borko Stefanović, war Ende November in der südserbischen Stadt Kruševac angegriffen worden. Die Täter wurden später gefasst. Vučić verurteilte den Anschlag. Die Oppositionellen machen aber weiterhin den Präsidenten dafür verantwortlich. Sie werfen ihm vor, mit seiner aggressiven Rhetorik gegen Kritiker und Oppositionelle zu einem Klima der Gewalttätigkeit im Land beizutragen. Die Regierung toleriere  Gewalt gegen Kritiker.

Kritiker beklagen eine starke Einschränkung demokratischer Freiheiten unter Vučić. Sie werfen dem Staatschef unter anderem die Kontrolle von Medien vor. Er versuche Kritiker mundtot zu machen. Vučić weist die Vorwürfe zurück. Er galt lange als extremer Nationalist. Inzwischen äußerte er aber den Wunsch, sein Land in die Europäische Union führen zu wollen. Er ist seit dem Frühjahr 2017 Präsident. Gegen seine Wahl hatten bereits damals zumeist junge Serben demonstriert.