Sudanesische Polizisten sollen bei Protesten gegen die Regierung in den vergangenen fünf Tagen mindestens 37 Menschen erschossen haben. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International teilte mit, sie habe glaubwürdige Berichte erhalten, denen zufolge die sudanesische Polizei mit scharfer Munition auf Personen schieße, die seit vergangenem Mittwoch gegen die Regierung demonstrieren. Die Regierung in Khartum bestätigte die Zahl zunächst nicht.

Amnesty International forderte die Regierung auf, "weiteres Blutvergießen zu verhindern". Statt zu versuchen, die Menschen vom Demonstrieren abzuhalten, sollten die Behörden die Unterdrückung von Menschenrechten beenden und die wirtschaftlichen Probleme im Land lösen, hieß es in einer Mitteilung.

Die Botschafter der USA, Großbritanniens, Norwegens und Kanadas riefen in einer gemeinsamen Erklärung alle Parteien dazu auf, von Gewalt abzusehen. Außerdem betonten sie, dass die Bürgerinnen und Bürger Sudans das Recht hätten, friedlich zu demonstrieren.

Erneute Proteste am Dienstag

Auch am Dienstag gingen hunderte Menschen in Khartum auf die Straße. Bei einem Protestmarsch forderten sie den Rücktritt von Präsident Omar al-Baschir. Eine entsprechende Petition wollten sie zu seinem Palast bringen. Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen die Protestierenden ein und schossen in die Luft. Über Tote oder Verletzte wurde zunächst nichts bekannt. Auf Videos war zu sehen, wie Menschen "Das Volk will das Regime stürzen" riefen, eine Parole des Arabischen Frühlings von 2011.

Al-Baschir sprach am Dienstag in der Region Al-Dschazira, wo er eine Straße und eine Schule einweihte, vor Unterstützern. In einer Rede führte er die wirtschaftlichen Schwierigkeiten seines Landes auf internationale Sanktionen und Feinde des Sudan zurück, die sich gegen dessen Fortschritt stemmten.

Präsident hat Reformen angekündigt

Bereits am Montag hatte Al-Baschir Reformen in Aussicht gestellt. Durch "echte Reformen" solle den Bürgern ein "ordentliches Leben garantiert werden", sagte er laut einer staatlichen Nachrichtenagentur.

Die Proteste waren am Mittwoch ausgebrochen, weil die Regierung den Preis für einen Laib Brot von einem auf drei sudanesische Pfund (0,05 Euro) erhöht hatte. In rund einem Dutzend Städte gehen seitdem Menschen auf die Straße. Unterstützt werden sie von einem Gewerkschaftsbund und zwei der größten politischen Parteien des Landes. An einigen Stellen steckten Demonstrierende Medienberichten zufolge Autoreifen und Äste in Brand und versuchten, ein Regierungsgebäude zu stürmen. Ärzte legten aus Solidarität ihre Arbeit nieder. 

Eines der korruptesten Länder der Welt

Al-Baschir ist seit einem Militärputsch 1989 an der Macht. Der internationale Strafgerichtshof hat einen Haftbefehl gegen ihn wegen Gräueltaten und Völkermords in Darfur ausgestellt. Proteste gegen seine Regierung schlug Al-Baschir immer wieder brutal nieder.

Der Sudan ist eines der korruptesten Länder der Welt und steht im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International auf Platz 177 von 183 Ländern. Das Land ist wirtschaftlich in einer schweren Krise: Wegen hoher Inflation verliert die Landeswährung an Wert, Menschen bekommen also immer weniger für ihr Geld. In den vergangenen Monaten sind die Preise für viele Lebensmittel stark gestiegen.