Die syrische Armee hat vor dem Hintergrund der drohenden türkischen Offensive im Norden des Landes Truppen in die Stadt Manbidsch verlegt. Das teilte ein Sprecher im Staatsfernsehen mit. Es ist das erste Mal seit sechs Jahren, dass sich syrische Streitkräfte in der 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernten Stadt befinden. Zuvor hatten die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) die Regierung von Präsident Baschar al-Assad um Unterstützung gebeten.

Hintergrund ist, dass US-Präsident Donald Trump den vollständigen Abzug der US-Truppen aus Syrien angekündigt hat. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan begrüßte das und drohte kurz darauf damit, die YPG aus der Region zu vertreiben. Die Kämpfer wurden bislang im Kampf gegen den sogenannten "Islamischen Staat" (IS) von den USA unterstützt.

Die Türkei hat die Präsenz der YPG im Norden Syriens immer kritisiert. Erdoğan fürchtet, dass die kurdischen Milizionäre einen Protostaat errichten könnten, der Mitgliedern der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK als potenzieller Unterschlupf direkt hinter der Grenze dienen könnte. Die Türkei stuft die YPG als Ableger der PKK und damit als Terrororganisation ein.

YPG sollte aus Manbidsch abziehen

Manbidsch ist Frontstadt zwischen den kurdisch dominierten Demokratischen Kräften Syriens (SDF) im Nordosten und den von der Türkei unterstützten Kämpfern im Nordwesten. Die Stadt liegt westlich des Euphrats. Von Januar 2014 an wurde sie vom IS kontrolliert. Im August 2016 eroberten YPG-Einheiten die Stadt gemeinsam mit arabischen Milizen nach monatelangen Kämpfen zurück. Trotz Protesten der Türkei wurde die Offensive von der internationalen Anti-IS-Koalition unter Führung der USA mit Luftangriffen, Spezialkräften und Waffen unterstützt.

Wenige Tage nach der Einnahme von Manbidsch startete die Türkei die "Operation Schutzschild Euphrat", um zu verhindern, dass die YPG weiter nach Westen vorrückt. Insbesondere fürchtete die Regierung in Ankara, dass die Kurdenmiliz ein durchgängiges Gebiet bis Afrin unter ihre Kontrolle bringen könnte. In monatelangen Kämpfen vertrieb die türkische Armee die YPG und die IS-Miliz aus der Region von Dscharablus, Asas und Al-Bab – nicht aber aus Manbidsch, wo zu diesem Zeitpunkt noch US-Soldaten stationiert waren.

Um eine direkte Konfrontation zwischen Nato-Partnern zu vermeiden, vereinbarten die Türkei und die USA den Abzug der YPG aus der Stadt. Die türkische Regierung kritisierte allerdings, dass dies nie vollständig umgesetzt wurde.