Syrien - Pro-türkische Miliz zu Angriff auf Manbidsch bereit Protürkische Kämpfer bereiten sich darauf vor, die von Kurden kontrollierte Stadt Manbidsch einzunehmen. Zuvor hatte die syrische Armee verkündet, Truppen in die Stadt verlegt zu haben. © Foto: Anas Alkharboutli/dpa

Von der Türkei unterstützte syrische Kämpfer sind zu einem Angriff auf die von Kurden kontrollierte Stadt Manbidsch im Norden Syriens bereit. Das sagte ihr Sprecher Jussef Hammud. Die Kämpfer hätten ihre Stellungen an der Front bei Manbidsch verstärkt. Sie seien in Alarmbereitschaft und warteten auf das Signal für den Beginn der Schlacht, sagte der Sprecher.

Zuvor hatte die syrische Armee verkündet, Stellung bei der strategisch wichtigen Stadt Manbidsch bezogen zu haben. Ein Armeesprecher hatte im Staatsfernsehen erklärt, die Soldaten hätten in der Stadt die syrische Nationalflagge gehisst. Dem hatte das US-Militär jedoch widersprochen: Die syrische Armee sei nicht in Manbidsch eingerückt, hatte der Sprecher des US-Zentralkommandos, Oberstleutnant Earl Brown, gesagt. Auch der Sprecher der protürkischen Kämpfer bestritt diese Darstellung. Die Regierungstruppen hätten ihre bestehenden Stellungen südlich und westlich der Stadt verstärkt, seien aber noch nicht eingedrungen, sagte er.

Der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge waren etwa 300 syrische Soldaten und regierungstreue Milizionäre im Norden und Westen der Stadt Manbidsch postiert. Sie bildeten demnach eine Art Pufferzone zwischen Manbidsch und protürkischen Kämpfern.

Manbidschs Vizebürgermeisterin Nura al-Hamad hatte der Nachrichtenagentur AFP gesagt, die Regierungstruppen würden nicht selbst in die Stadt einrücken. Sie würden sich auf der Demarkationslinie zu den von der Türkei unterstützten Milizen positionieren. Soldaten aus den USA und Frankreich befänden sich weiterhin auf ihren Positionen in der Stadt und setzten ihre Patrouillen fort.

Kurdische YPG-Miliz fürchtet türkische Offensive

Die Truppenbewegungen der syrischen Armee folgen auf ein Hilfegesuch der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die die syrische Armee zuvor um Beistand gebeten hatte. Die kurdischen Kämpfer fürchten eine türkische Offensive auf die strategisch wichtige Stadt nahe der Grenze der Türkei.

Die YPG-Kämpfer hatten Manbidsch 2016 erobert und damals die Kämpfer der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) aus der Stadt vertrieben. Dabei waren sie von der internationalen Anti-IS-Koalition unter Führung der USA mit Luftangriffen, Spezialkräften und Waffen unterstützt worden.

Nach der Ankündigung der USA, die Truppen aus Syrien abzuziehen, hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan damit gedroht, die kurdischen YPG aus der Region zu vertreiben. Die Türkei stuft die YPG als Ableger der PKK und damit als Terrororganisation ein.

Angesichts der Postierung syrischer Truppen bei Manbidsch hieß es aus dem türkischen Verteidigungsministerium, die syrischen Kurden hätten "nicht das Recht", sich Beistand aus Damaskus zu holen. Syriens Verbündeter Russland hingegen, das Staatschef Baschar al-Assad im September 2015 um militärischen Beistand gebeten hatte, begrüßte den Vorstoß der syrischen Armee. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, der Vormarsch trage zur "Stabilisierung der Lage" bei. Russland will Anfang Januar einen weiteren Syrien-Gipfel mit den Präsidenten des Iran und der Türkei einberufen.