Auf der Baustelle des kürzlich eröffneten neuen Flughafens in Istanbul sind nach offiziellen Angaben mindestens 52 Arbeiter bei Unfällen gestorben. Das geht aus einer Statistik der zuständigen Sozialversicherungsbehörde (SGK) hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Die SGK hatte die offiziellen Zahlen auf eine Anfrage des Abgeordneten der größten Oppositionspartei CHP, Ali Şeker, herausgegeben.

Die Statistik erfasst den Zeitraum vom Baubeginn vor mehr als vier Jahren bis Mitte November dieses Jahres. Die Betreibergesellschaft des Flughafens IGA hatte bislang von 30 tödlichen Arbeitsunfällen gesprochen.

Aus Protest gegen die zahlreichen Unfälle und wegen schlechter Arbeitsbedingungen waren im September Flughafenarbeiter in einen Streik getreten. Die Polizei ging mit Tränengas gegen sie vor, es gab zahlreiche Festnahmen. Zuvor hatten sich die Arbeiter in sozialen Medien über die Todesfälle beschwert, die es seit Längerem gebe. Auch sprachen sie Arbeitsunfälle, schlechtes Essen und mangelhafte Unterbringung sowie Probleme mit der Bezahlung an. "Wir werden hier nicht wie Menschen behandelt", sagte ein Arbeiter in einem Video, das damals von einem Abgeordneten der Oppositionspartei CHP verbreitet wurde.

Am Mittwoch beginnt im Istanbuler Stadtteil Gaziosmanpaşa der Prozess gegen 61 Teilnehmer der damaligen Proteste. Ihnen wird unter anderem Widerstand gegen die Staatsgewalt, Verstoß gegen das Recht auf Arbeit und Teilnahme an einer Versammlung mit Waffen oder unerlaubten Gegenständen vorgeworfen.

Der CHP-Abgeordnete Şeker kritisierte, man habe die islamisch-konservative AKP-Regierung mehrmals darauf hingewiesen, dass die Arbeiter auf der Baustelle des neuen Flughafens wie Sklaven schufteten. Trotz der Proteste habe sich nichts geändert.

Der neue Flughafen Istanbul war am 29. Oktober eröffnet worden und sehr eingeschränkt in Betrieb gegangen. Ende Dezember will die halbstaatliche Fluggesellschaft Turkish Airlines vollständig an den neuen Flughafen im Norden der Stadt ziehen.