Die USA haben nach Angaben des Weißes Hauses mit dem Rückzug ihrer Soldaten aus Syrien angefangen. "Wir haben damit begonnen, US-Soldaten nach Hause zu holen, während wir in die nächste Phase dieses Einsatzes übergehen", teilte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, mit. Die USA haben derzeit mehr als 2.000 Soldaten in Syrien stationiert, offiziell als Berater und Trainer der syrischen Oppositionstruppen.

Vor fünf Jahren sei die Terrormiliz "Islamischer Staat" eine sehr mächtige und gefährliche Kraft im Nahen Osten gewesen, heißt es in Sanders Stellungnahme. "Die USA haben jetzt das territoriale Kalifat besiegt." Dies bedeute jedoch nicht, dass die weltweite Koalition im Kampf gegen den IS oder deren Kampagne beendet sei. Trump twitterte: "Wir haben den IS in Syrien besiegt – mein einziger Grund, während der Trump-Präsidentschaft dort zu sein." 

Zuvor hatten bereits mehrere US-Medien, unter anderem das Wall Street Journal und der Sender CNN, über Vorbereitungen zum Truppenabzug aus Syrien berichtet. Präsident Donald Trump habe die Entscheidung getroffen und das Verteidigungsministerium entsprechend angewiesen, berichtete CNN unter Berufung auf Quellen im Pentagon. Demnach sollen alle Truppen schnellstmöglich abgezogen werden. Dem Wall Street Journal zufolge wurden bereits Verbündete in der Region unterrichtet.

Ein Abzug aller US-Soldaten aus Syrien würde Empfehlungen von Verteidigungsminister Jim Mattis und anderer Regierungs-Mitarbeiter zuwiderlaufen. Sie hatten geraten, militärisch länger in Syrien präsent zu sein, um ein Wiedererstarken des IS zu verhindern. Doch Trump sieht das anders: Schon im März dieses Jahres hatte der US-Präsident ein baldiges Ende des Syrien-Einsatzes angekündigt. Um Syrien sollten sich "andere kümmern", sagte Trump damals. Er rechtfertigte einen Rückzug auch damit, dass das vom IS ausgerufene Kalifat weitgehend besiegt sei.

"Ein Traumszenario für den IS"

Kritik kam vom Direktor für Terrorismusabwehr am Middle East Institute in Washington, Charles Lister. In einem Statement schreibt der Syrien-Experte, Trumps Entscheidung sei ein "Traumszenario" – nicht nur für den IS, sondern auch für Russland, den Iran und die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Russland ist ein enger Verbündeter des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und unterstützt dessen Truppen im Kampf gegen Terroristen. Dabei werden aber auch immer wieder Zivilisten getötet.  

Der IS habe sich noch am Mittwoch zu einem Anschlag bekannt. "Obwohl nicht völlig überraschend, ist die Entscheidung von Präsident Trump, einen militärischen Rückzug zu vollziehen, extrem kurzsichtig und naiv", schreibt Lister.

Die USA stehen an der Spitze einer internationalen Koalition, die in Syrien den IS bekämpft. Ihr wichtigster Verbündeter in dem Bürgerkriegsland ist die Kurdenmiliz YPG, die dort die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) anführt. Lange Zeit galten die kurdischen Kämpfer als eine der wenigen für den Westen verlässlichen Bodenkräfte in Syrien.

Die SDF-Kräfte haben einen Großteil des früheren Herrschaftsgebietes des IS eingenommen und gehen im Osten des Landes weiter gegen die Dschihadisten vor. Seit Wochen laufen in der Nähe der Grenze zum Nachbarland Irak Kämpfe um eine der letzten IS-Stellungen im Land. Die USA unterstützen die SDF-Kämpfer mit Luftangriffen. Experten gehen jedoch weiterhin davon aus, dass Tausende IS-Kämpfer in Syrien sind, unter anderem in schwer zugänglichen Wüstengebieten.