Innerhalb eines Monats ist ein zweites Kind aus Guatemala nach seiner Festnahme durch US-Grenzbehörden gestorben. Der achtjährige Junge sei in der Nacht zu Dienstag in Alamogordo im US-Bundesstaat New Mexico gestorben, teilte die Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP mit. Die Todesursache ist demnach noch nicht bekannt. Der Fall werde untersucht, die Behörden in Guatemala seien informiert. Das Außenministerium des zentralamerikanischen Landes forderte Ermittlungen "im Rahmen eines rechtsstaatlichen Verfahrens".

Nach Angaben der guatemaltekischen Behörden war das Kind zusammen mit seinem Vater am 18. Dezember festgenommen worden, als sie die Grenze zwischen Mexiko und den USA überquerten, um in die texanische Stadt El Paso zu gelangen. Am 23. Dezember wurden sie dann in eine CBP-Einrichtung im 145 Kilometer entfernten Alamogordo im US-Bundesstaat New Mexico gebracht.

Am Tag darauf wurde der Junge ins Krankenhaus gebracht, nachdem er "Anzeichen einer potenziellen Erkrankung" aufgewiesen habe, hieß es seitens der Grenzschutzbehörde. In der Klinik hätten die Ärzte zunächst eine einfache Erkältung diagnostiziert. Später habe der Junge einen Fieberschub bekommen und blieb anderthalb Stunden zur Beobachtung im Krankenhaus. Kurz vor seiner Entlassung wurden ihm das Schmerzmittel Ibuprofen und ein Antibiotikum verschrieben. Am Abend des 24. Dezember dann habe der Junge erbrochen und sei erneut ins Krankenhaus eingeliefert worden. Dort sei er kurz nach Mitternacht gestorben. Die CBP kündigte eine "unabhängige und gründliche Untersuchung" an.

Wie lange Vater und Sohn in Gewahrsam waren, hat der Grenzschutz bisher nicht mitgeteilt. In dessen Erklärung hieß es nur, Beamte hätten den Jungen bereits "vorher aufgegriffen". 

Die Behörde CBP hält Migrantinnen und Migranten nach einem illegalen Grenzübertritt in der Regel nicht länger als ein paar Tage fest. Entweder werden sie freigelassen oder für eine längere Ingewahrsamnahme an die unter anderem für Polizeiaufgaben zuständige Einwanderungsbehörde ICE übergeben. Laut Richtlinien sollen Migranten für gewöhnlich nicht länger als 72 Stunden in CBP-Einrichtungen festgehalten werden – diese sind in der Regel kleiner und mit weniger Dienstleistungen ausgestattet als die ICE-Haftzentren. Eltern und Kinder werden fast immer schnell freigelassen, da es in ICE-Hafteinrichtungen für Familien wenig Platz gibt.

Es ist bereits der zweite Todesfall eines Kindes aus Guatemala innerhalb weniger Wochen. Bereits am 8. Dezember war ein siebenjähriges Mädchen im Gewahrsam der Grenzschutzbehörde gestorben. Medienberichten zufolge litt sie unter "Dehydrierung" und einem "Schock". Das Kind hatte auf der Flucht aus Guatemala tagelang kein Wasser getrunken. Das US-Heimatschutzministerium bezeichnete den Tod des Mädchens als "unglaublich tragisch", die Regierung wies jedoch eine Mitschuld am Tod des Kindes zurück.

"Regierung zur Verantwortung ziehen"

Mehrere Abgeordnete kritisierten angesichts der Todesfälle die Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump. Der demokratische Senator Martin Heinrich, der New Mexico im Kongress vertritt, twitterte, die Nachricht vom Tod des Achtjährigen breche ihm das Herz, mache ihn aber auch wütend. "Die Trump-Regierung muss zur Verantwortung gezogen werden für den Tod dieses Kindes und für all die Leben, die sie mit ihrem internen Chaos und ihrer Gleichgültigkeit gegenüber menschlichem Leben in Gefahr gebracht hat." Die New Yorker Abgeordnete Nydia Velázquez forderte eine umfassende Aufklärung des Todesfalls und "ein Ende der hasserfüllten, gefährlichen und einwandererfeindlichen Politik" der US-Regierung.

Der Kampf gegen illegale Einwanderung aus Lateinamerika ist einer der Schwerpunkte der Politik der US-Regierung. Die Praxis des US-Grenzschutzes, Kinder von an der Grenze aufgegriffenen Einwanderern von ihren Eltern zu trennen, hatte im Juni Empörung ausgelöst. Trump ließ dieses Vorgehen daraufhin beenden.

An seiner Forderung, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten, hält der US-Präsident jedoch fest. Der Streit mit den oppositionellen Demokraten um die Finanzierung der Mauer hat zu einer Haushaltssperre geführt, die derzeit Teile des Regierungsapparats lahmlegt.