Washington - Trauerfeier für George H. W. Bush In Washington haben sich Staatsgäste aus aller Welt vom verstorbenen US-Präsidenten George H. W. Bush verabschiedet. Auch Kanzlerin Angela Merkel nahm an der Trauerfeier teil. © Foto: Doug Mills/Pool/Reuters

Mit einem Staatsakt haben die USA Abschied von ihrem verstorbenen früheren Präsidenten George H. W. Bush genommen. An der Trauerfeier in der Nationalen Kathedrale in Washington nahmen Staats- und Regierungschefs aus aller Welt teil, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Die Zeremonie am Mittwoch in der Washington National Cathedral wirkte wie eine große Demonstration nationaler Einheit – was in den USA angesichts des oft vergifteten Klimas zwischen beiden politischen Lagern selten geworden ist. US-Präsident Donald Trump und seine Ehefrau saßen während des Gottesdienstes in einer Reihe mit seinen Amtsvorgängern Barack Obama, Bill Clinton und Jimmy Carter sowie deren Ehefrauen. In der Nähe saßen auch der älteste Sohn des Verstorbenen, Ex-Präsident George W. Bush, und seine Frau Laura.

Bush hielt in der Kirche eine bewegende Rede über seinen Vater. "Wenn die Geschichtsbücher geschrieben werden, wird es dort heißen, dass George H. W. Bush ein großartiger Präsident der Vereinigten Staaten war", sagte Bush. "Er zeigte mir, was es bedeutet, ein Präsident zu sein, der mit Integrität dient, mit Mut führt und mit Liebe in seinem Herzen für die Bürger unseres Landes handelt."

Er erzählte auch von dem letzten Telefonat mit seinem Vater unmittelbar vor dessen Tod am Freitag vergangener Woche. "Ich sagte, Papa, ich liebe dich und du bist ein wunderbarer Vater gewesen. Und die letzten Worte, die er je auf Erden sagen würde, waren: Ich liebe dich auch." George W. Bush nannte seinen Vater "einen großartigen und großzügigen Mann, den besten Vater, den ein Sohn oder eine Tochter haben könnte". Zum Ende seiner Ansprache versagte dem ehemaligen Präsidenten die Stimme.

George H. W. Bush war am Freitag im Alter von 94 Jahren gestorben. Sein Leichnam wurde nach Washington übergeführt und war zwei Tage lang im Kapitol, dem Sitz des Kongresses, aufgebahrt. Dort nahmen Zehntausende Bürger von Bush Abschied, der von 1989 bis 1993 Präsident war.

Sein mit der US-Flagge bedeckter Sarg wurde am Mittwoch unter militärischem Zeremoniell aus dem Kapitol getragen. Dabei wurden Salutschüsse aus Kanonen abgefeuert und eine Militärkapelle spielte Hail to the Chief, die offizielle Hymne für die US-Präsidenten. Anschließend wurde der Sarg durch die Washingtoner Innenstadt zur Kathedrale gefahren.

Donnerstag wird Bush in Texas beigesetzt

Trump erklärte kurz vor der Zeremonie, dies sei "keine Beerdigung, sondern ein Tag der Feier für einen großen Mann, der ein langes und herausragendes Leben geführt" habe. "Er wird vermisst werden!" schrieb der Präsident auf Twitter.

Bei dem Trauergottesdienst stand die Bush-Familie im Vordergrund, Trump hielt keine Rede. Bei seiner Ankunft in der Kathedrale schüttelte George W. Bush dem amtierenden Präsidenten die Hand, ihr Verhältnis gilt als unterkühlt.

Sowohl George H. W. Bush als auch sein ältester Sohn hatten bei der Präsidentschaftswahl 2016 nicht für den republikanischen Parteikollegen Trump gestimmt. Trump wiederum hatte sowohl George W. Bush als auch dessen Bruder Jeb Bush, den Ex-Gouverneur von Florida, in der Vergangenheit hart angegriffen. An der Beisetzung der früheren First Lady Barbara Bush, der Gattin von George H. W. Bush, im April nahm Trump nicht teil.

Nach dem Gottesdienst in Washington sollte der Leichnam in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) nach Houston zurückgeflogen werden. Dort wird er am Donnerstag an der Seite seiner Frau Barbara und seiner im Alter von nur drei Jahren an Leukämie verstorbenen Tochter Robin beigesetzt.

Zu Ehren Bushs hingen auch in Berlin die Fahnen auf Halbmast. Der verstorbene Präsident hatte einen entscheidenden Beitrag zur deutschen Vereinigung geleistet.