Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat von der britischen Regierung rasche und in London konsensfähige Vorschläge für einen geregelten EU-Austritt gefordert. "Die Bundesregierung erwartet, dass die britische Regierung sich bald auf Vorschläge einigt, die von einer Mehrheit des Unterhauses unterstützt werden", sagte ein Regierungssprecher. 

Großbritanniens Premierministerin Theresa May hatte im Parlament zuvor angekündigt, abermals mit der EU über den sogenannten Backstop für die nordirisch-irische Grenze verhandeln zu wollen. Sie wolle diese Woche in Gesprächen mit Abgeordneten ausloten, wie eine "größtmögliche Unterstützung" im Parlament erreicht werden könne. Anschließend wolle sie damit wieder zur EU gehen.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hält das für unzureichend. Mays Äußerungen entsprächen nicht dem, was in Europa unter dem Motto "Großbritannien muss erklären, was es will" erwartet worden sei, sagte Kramp-Karrenbauer während des Neujahrsempfangs der ZEIT in Berlin. Die Premierministerin setze nochmals "auf Verhandlungen, die für uns abgeschlossen sind". 

Der Ball liege "nach wie vor im Feld der Briten", sagte die CDU-Chefin. "Das britische Parlament muss erklären, was es will. Es hat bisher nur erklärt, was es nicht will." Es liege aber im Interesse aller, "wenn es nicht zu der schlechtmöglichsten Variante kommt, und das wäre ein harter Brexit". 

Kramp-Karrenbauer rief die Briten zusammen mit anderen Politikern und Wirtschaftsvertreterinnen in der Londoner Times dazu auf, in der EU zu bleiben. Sie sagte, ihr sei wichtig gewesen "diesen Impuls, diese Freundschaftsbezeugung auch aus Deutschland noch mal zu senden".