75 Jahre nach dem Ende der Leningrader Blockade erinnert Deutschland an die Opfer der Belagerung während des Zweiten Weltkriegs. Die Bundesregierung will zum Jahrestag die noch lebenden Opfer sowie Projekte zur deutsch-russischen Verständigung mit rund zwölf Millionen Euro unterstützen.

Rund eine Million Menschen starben an Hunger und Krankheiten, als die Wehrmacht versuchte, die Bevölkerung des heutigen St. Petersburg systematisch auszuhungern. Die Heeresgruppe Nord der Wehrmacht und finnische Truppen hatten die Stadt ab 1941 eingekesselt. Die Blockade dauerte rund 900 Tage bis zur Befreiung durch die Rote Armee im Januar 1944. Die Stadt konnte nur noch über den Ladogasee versorgt werden, die Wehrmacht bombardierte gezielt Lebensmittelspeicher.

"Eine 872 Tage dauernde Zeit des Sterbens"

Wie das Auswärtige Amt mitteilte, beruht die Entscheidung auf der Anerkennung der Verantwortung für das im deutschen Namen begangene Unrecht jener Jahre. Ein Teil des Geldes soll demnach direkt an die Opfer der Blockade gehen. Zudem sollen ein Krankenhaus für Kriegsveteranen in St. Petersburg modernisiert und ein deutsch-russisches Begegnungszentrum eingerichtet werden.

"Heute vor 75 Jahren wurde Leningrad, das heutige St. Petersburg, durch sowjetische Truppen von der Blockade durch die deutsche Wehrmacht vollkommen befreit, die in die Geschichte als ein brutaler Akt gegen eine ganze Stadt und ihre Bevölkerung eingegangen ist", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Außenminister Heiko Maas (SPD) und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. "Damit endete eine 872 Tage dauernde Zeit des Sterbens, des Hungerns und Leidens, während der mehr als eine Million Menschen den Tod fanden."

Die freiwillige Aktion der Bundesregierung werde "die Lebensqualität der noch lebenden Blockadeopfer verbessern" und diene der "historischen Aussöhnung zwischen den Völkern der beiden Länder als Grundlage unserer bilateralen Beziehungen in der Zukunft", hieß es in der Erklärung weiter. Die Projekte sollen zusammen mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) umgesetzt werden. Maas sagte, die Geste sei "ein Symbol dafür, dass wir uns unserer Verantwortung bewusst sind, aber auch ein Signal, dass so etwas niemals wieder geschehen darf".