Brasilien - Jair Bolsonaro als Präsident vereidigt Brasiliens ultrarechter Präsident will das Land von der »Unterwürfigkeit« befreien. In der Handels- und Umweltpolitik orientiert er sich an US-Präsident Donald Trump. © Foto: Andre Penner/dpa

Der rechtsextreme Politiker Jair Bolsonaro ist als neuer Präsident Brasiliens vereidigt worden. Der 63-jährige Ex-Armeehauptmann legte am Dienstag bei einer Zeremonie im Kongress in der Hauptstadt Brasília seinen Amtseid ab. Bolsonaro kündigte in seiner Antrittsrede vor den Abgeordneten an, Brasilien "vom Joch der Korruption, der Kriminalität, der wirtschaftlichen Verantwortungslosigkeit und der ideologischen Unterwerfung" zu befreien.

Zuvor war er gemeinsam mit seiner Ehefrau Michelle in einem Rolls-Royce durch die Hauptstadt Brasília gefahren. Bolsonaros Anhänger skandierten seinen Wahlkampfslogan: "Brasilien über alles, Gott über allen." 500.000 Unterstützerinnen und Unterstützer des neuen Präsidenten waren in der Hauptstadt erwartet worden. Große Teile des Gebiets um das Parlamentsgebäude waren jedoch leer, als Bolsonaro ankam. Angaben zur offiziellen Besucherzahl gab es zunächst nicht.

Glückwünsche zum Amtsantritt von Bolsonaro kamen aus dem Weißen Haus:

US-Präsident Donald Trump gratulierte Bolsonaro per Twitter zu einer "großartigen Antrittsrede" und sicherte ihm die Unterstützung der USA zu.

In Brasilien kritisierten mehrere Reporterinnen und Reporter den Umgang mit ihnen vor der Vereidigungszeremonie. Um teilzunehmen, seien Journalisten aufgefordert worden, sieben Stunden vorher einzutreffen. Mehrere berichteten, Wachleute hätten ihre Verpflegung für die Wartezeit beschlagnahmt, darunter Äpfel und Gabeln, da diese angeblich ein Risiko darstellten.

"Kugel, Vieh und Bibel"

Der langjährige Abgeordnete Bolsonaro hatte im Oktober die Präsidentschaftswahl gewonnen. Beobachter erwarten nach seinem Amtsantritt einen Rechtsruck im fünftgrößten Land der Welt. Bolsonaro hat sich immer wieder abfällig über Schwarze, Indigene und Homosexuelle geäußert und die Militärdiktatur der Jahre 1964 bis 1985 in Brasilien gelobt.

Er hat angekündigt, keine weiteren Schutzgebiete für indigene Gemeinschaften auszuweisen und den Zugang zu Waffen zu erleichtern. Die Ideologie des neuen Staatschefs wird als "bala, boi e Bíblia" beschrieben, übersetzt "Kugel, Vieh und Bibel", beschrieben. Evangelikale Christen, Militärs und die Wirtschaftselite unterstützten seinen Wahlkampf.