• Mit deutlicher Mehrheit haben die Abgeordneten den Brexit-Deal abgelehnt, den die britische Regierung mit der EU ausgehandelt hat.
  • Der Oppositionsführer Jeremy Corbyn beantragte angesichts der Ergebnisse ein Misstrauensvotum gegen die Regierung. Es soll am Mittwoch stattfinden.
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Zacharias Zacharakis
Es ist gekommen wie erwartet, und trotzdem hat das britische Parlament die Regierung des Landes in neue Krisen gestürzt. Der EU-Austrittsvertrag, den die Regierung von Theresa May ausgehandelt hat, ist abgelehnt – mit einer klaren Mehrheit von 432 Nein-Stimmen zu 202 Ja-Stimmen.

Für Mittwoch ist nun ein Misstrauensvotum geplant. Der Oppositionsführer und Labour-Chef Jeremy Corbyn hat es beantragt, um Neuwahlen einzuleiten. Allerdings dürfte er kaum genug Stimmen bekommen: Die nordirische DUP deutete bereits Unterstützung für May an, und selbst aus der Hardliner-Gruppe um Jacob Rees-Mogg heißt es laut Guardian, sie würden May unterstützen.

Insofern muss May schon in wenigen Tagen dem Parlament einen Plan vorlegen, der das weitere Vorgehen beschreibt.

Auch die EU fordert Klarheit über den weiteren Kurs Großbritanniens. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker teilte mit, die britische Regierung solle ihre "Absichten so bald wie möglich" klarstellen. Die Zeit dafür sei vor dem geplanten Brexit am 29. März "fast abgelaufen". Juncker zufolge ist mit dem negativen Votum die Gefahr eines "ungeordneten Austritts" ohne Abkommen gestiegen.

Mit diesen wichtigsten Ergebnissen des Tages schließen wir unseren Liveblog. Danke, dass Sie dabei waren.
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Sven Wolters
Hier noch mal die emotionalen Reaktionen aus dem Parlament im Video:
Lautstark gegen den Brexit
Premierministerin Theresa May hat die Brexit-Abstimmung verloren. Wie heftig die Debatte im britischen Parlament war, zeigt unser Video.
Julia Klaus
Der Brexit-Beauftragte der EU, Michel Barnier, sagte der BBC: "Es ist jetzt Zeit, dass uns Großbritannien seine nächsten Schritte mitteilt."

Die EU sei weiterhin entschlossen, eine Vereinbarung zu erzielen.
Julia Klaus
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht in der Ablehnung des Brexit-Abkommens durch das britische Parlament eine schlechte Nachricht für die deutsche Wirtschaft. "Ohne Abkommen droht der Brexit völlig ungeregelt abzulaufen", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer am Dienstagabend in Berlin.

Die Unternehmen müssten sich jetzt verstärkt vorbereiten. Denn für die deutsche Wirtschaft stehe viel auf dem Spiel. Großbritannien sei Deutschlands fünftwichtigster Handelspartner, das Handelsvolumen betrage 122 Milliarden Euro.

Eine mögliche Verschiebung des EU-Austritts von Großbritannien um einige Wochen würde die Unklarheit wohl nur aufschieben, sagte Schweitzer.
Julia Klaus
Udo Bullmann, der SPD-Spitzenkandidat für die bevorstehende Europawahl, schlägt ein zweites Referendum vor. "Das britische Parlament findet keinen Ausweg aus der Krise", sagte Bullmann den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland.

In einem zweiten Referendum sollten die Briten darüber abstimmen, "ob sie den Brexit, wie er nun auf dem Tisch liegt, wirklich wollen", sagte der SPD-Politiker. Weitere Zugeständnisse der EU schloss Bullmann aus: "Es gibt keinen Spielraum mehr für Nachverhandlungen."
Sören Götz
Da Theresa May die Abstimmung wie erwartet verloren hat, könnte es gut sein, dass der Brexit aufgeschoben wird. Denn egal, ob May selbst noch einmal mit der EU verhandelt oder ein möglicher Nachfolger: Der 29. März rückt stetig näher. Die EU würde einer Verschiebung wohl zustimmen, denn auch sie hat kein Interesse an den unberechenbaren Folgen eines No Deal.

Offen ist jedoch, wie lange der Brexit aufgeschoben werden würde. Ende Mai findet die Europawahl statt und dann müssten die Britinnen und Briten erneut Abgeordnete für das EU-Parlament wählen. Dabei sind die Plätze, die durch den Brexit frei werden, schon teilweise für andere Länder bestimmt. Irland hat zum Beispiel schon seine Wahlkreise angepasst, um zwei zusätzliche MEPs zu wählen. Den Brexit über die Europawahl hinauszuzögern, würde daher einige Turbulenzen im EU-Parlament verursachen.

Ein Aufschub über den 29. März hinaus könnte außerdem die erwarteten Mehrheiten im Europaparlament für die letzten beiden Monate dieser Legislaturperiode noch einmal verändern. Denn dann bliebe die Zusammensetzung bis zur Wahl wie bisher – obwohl alle für Ende März mit dem Abzug der britischen Abgeordneten gerechnet hatten.
Julia Klaus
Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Vorsitzende, schrieb in einem Tweet, dass ein ungeordneter Brexit "die schlechteste aller Optionen" sei. Es sei wichtig, "nichts zu überstürzen".
Julia Klaus
Der britische Ex-Außenminister Boris Johnson sagte der BBC: "Das Abkommen ist tot." Es sei "sehr wichtig, dass das verstanden wird". Das Abkommen sei "offensichtlich ein schlechter Deal für Großbritannien".
Steffen Dobbert

Hier im Westminster Palace endet ein atemraubender Tag im Parlament. (Ich habe mein Telefon wieder). Doch bevor man dieses Haus, mit seinen edlen Wandmalereien, den Dachgewölben und seinen Tausenden Geschichten nach so einem historischen Tag verlässt, ein kurzer Blick zurück. Was ist hier heute geschehen?

Fest steht: Das Brexit-Drama geht in die nächste Runde, mindestens so ungewiss wie zuvor. Nicht sicher ist: Wie lange Theresa May noch im Amt bleibt. Eben sagte mir eine Kollegin, dass es schon morgen nach der wöchentlich stattfindenden Fragestunde an die Premierministerin das Misstrauensvotum gegen ihre  Regierung geben wird. Das wird spannend.

"The house has spoken and the government will listen." So hat es Theres May selbst in einem Satz zusammengefasst. Mit der mehr als eindeutigen Abwahl ihres Deals (seit den 1920er Jahren hoch hat keine Regierung solch eine Niederlage einstecken müssen) hat sich das Parlament mehr Macht verschafft.

In den Gängen des Westminster Palace tauschen sich die Abgeordnete immer noch über mögliche Szenarien aus, die aus dieser neuen Situation entstehen können. Sie wirken angespannt. Draußen vor der Tür, wo ich eben einmal kurz zum Luftschnappen war, feiern einige Bürger. Jeder seinen eigenen Erfolg.

Politik kann verrückt sein, Politik kann spannend sein. Politik kann hart sein – all das geschah heute hier in diesem ehrwürdigen Haus.

Julia Klaus
Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon sagte, dass die SNP Jeremy Corbyns Misstrauensvotum unterstützen werde.
Julia Klaus
Die nordirische DUP hat bestätigt, dass sie beim Misstrauensvotum für die britische Regierung stimmen werde. Die DUP bildet mit den Konservativen eine Minderheitsregierung.

Arlene Foster, die DUP-Vorsitzende, begrüßte in einem Statement die Abstimmung gegen den jetzigen Vertrag als "unmissverständliche Nachricht". Theresa May könne nun bei den Verhandlungen in Brüssel demonstrieren, dass Änderungen nötig sind, wenn ein Abkommen vom Parlament unterstützt werden soll.