Angesichts des drohenden Brexits beantragen immer mehr Briten eine Staatsbürgerschaft in anderen EU-Staaten. Die Zahl der Anträge auf Einbürgerungen stieg unter anderem in Deutschland, Irland, Portugal und Schweden, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

In Deutschland hat sich die Zahl im Vergleich zu Vor-Brexit-Jahren verzehnfacht: 2017 erhielten etwa 7.500 Briten die Staatsbürgerschaft. Im Jahr 2015, dem Jahr vor der Brexit-Abstimmung, waren es nur 622 gewesen. Damit stellen die Briten nach den Türken aktuell die zweitgrößte Gruppe von Eingebürgerten in Deutschland.

Auch das Interesse an irischen Pässen ist seit dem Brexit-Votum deutlich gestiegen. Nach Angaben der Regierung in Dublin wurden im vergangenen Jahr etwa 183.000 Anträge auf einen irischen Pass aus Großbritannien gestellt. Etwa 85.000 davon kamen aus Nordirland – dort Geborene haben grundsätzlich Anspruch auf beide Pässe. Etwa 98.000 Anträge stammten aus dem restlichen Großbritannien. Im Vergleich zu 2017 bedeutet das einen Anstieg von 22 Prozent.

Anstieg in Portugal, Italien und Schweden

Auch in Portugal beantragten deutlich mehr Briten eine Staatsbürgerschaft: Waren es im Jahr 2015 noch 62 Personen, gab es in den ersten elf Monaten des Jahres 2018 etwa 500 Gesuche. Zudem ist in Schweden die Zahl der Einbürgerungsanträge von Briten gestiegen. Im Jahr 2015 bewarben sich laut Migrationswerk 511 Briten – ein Jahr später waren es mit knapp 1.600 Anträgen bereits mehr als dreimal so viele.

In vielen anderen EU-Ländern ist ebenfalls ein deutlicher Anstieg bei den Einbürgerungen zu erkennen, allerdings auf geringem Niveau. So wurden 2015 und 2016 in Österreich jeweils zehn Briten eingebürgert, 2017 waren es laut Statistik Austria 24, in den ersten drei Quartalen von 2018 schon 31. Insgesamt leben laut der Bundesanstalt rund 10.700 Briten in Österreich. Ähnliche Anstiege mit zweistelligen absoluten Zahlen melden Polen, Tschechien und Griechenland. Auch Italien verzeichnet einen Anstieg, erfasst die Zahlen aber nicht.

Spanien verlangt Sprachtest sowie Fragen zur Geschichte, Kultur und Politik

In Spanien, wo mehr als 300.000 Briten leben, stellten dagegen vergleichsweise wenige britische Staatsbürger einen Einbürgerungsantrag. Spanien verlangt – anders als Portugal – von allen britischen Neubürgern die Aufgabe ihrer ursprünglichen Staatsbürgerschaft. Wer einen Antrag stellt, muss zudem mindestens zehn Jahre im Land gelebt haben. Auch ein Sprachtest sowie Fragen zur Geschichte, Kultur, Politik und Geografie des Landes müssen beantwortet werden.