Im Machtkampf zwischen Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und der Opposition ist Juan Guaidó, der Präsident des von der Opposition dominierten Parlaments, kurzzeitig festgenommen worden. "Sebin-Agenten haben den Präsidenten der Nationalversammlung, den Abgeordneten Juan Guaidó, festgenommen und an einen bislang unbekannten Ort gebracht", teilte die Nationalversammlung auf Twitter mit. Sebin ist der Geheimdienst des Landes.

Wie Guaidós Frau und mehrere Mitglieder des venezolanischen Parlaments mitteilten, wurde der 35-Jährige von Mitarbeitern des Geheimdienstes abgeführt, als er auf dem Weg zu einer Versammlung außerhalb der Hauptstadt Caracas war. Wenig später wurde er Berichten lokaler Medien zufolge wieder freigelassen.

Auf Guaidós Twitter-Account war eine Mitteilung veröffentlicht worden:

Darin heißt es: "Wir informieren die Welt und das Land, dass heute am 13. Januar ein Sebin-Kommando den Präsidenten der Nationalversammlung Venezuelas festgenommen hat." Über seinen Aufenthaltsort sei derzeit nichts bekannt. Der Geheimdienst untersteht der Vizepräsidentin Delcy Eloína Rodríguez Gómez, die Präsident Maduro im August 2018 zu seiner Stellvertreterin ernannt hatte.

Guaidó hatte Präsident Maduro nach dessen umstrittenem Amtsantritt offen herausgefordert. Am Freitag hatte der Parlamentspräsident angekündigt, die Präsidentschaft vorübergehend zu übernehmen und Neuwahlen anzuberaumen. Dabei berief sich Guaidó auf die Verfassung des südamerikanischen Landes und bat die Bevölkerung und die Streitkräfte um Unterstützung. Für den 23. Januar hatte das Parlament zu Massenprotesten gegen den Staatschef aufgerufen.

Am Donnerstag hatte sich Maduro trotz nationaler und internationaler Proteste für seine zweite Amtszeit vereidigen lassen. Amtlichen Ergebnissen zufolge war er im vergangenen Mai mit 68 Prozent der Stimmen bis 2025 wiedergewählt worden. Die Wahlbeteiligung lag unter 50 Prozent. Zahlreiche Staaten, internationale Organisationen und die venezolanische Opposition kritisierten die Wahl als undemokratisch. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) erkennt Maduro nicht als legitimen Präsidenten an. Auch die USA und die EU forderten die Rückkehr zur Demokratie in Venezuela.

Maduro reagierte mit dem Vorwurf einer Verschwörung imperialistischer Kräfte unter der Führung der USA und schwor seine Anhänger auf die Verteidigung des Sozialismus ein. Guaidós Aufstand sei lediglich eine "Show der Rechten".

In den vergangenen zwei Jahren sind nach Zahlen der UN schätzungsweise 2,3 Millionen der rund 30 Millionen Venezolaner wegen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs ihres Landes ins Ausland geflohen.