Auch chinesische Konzerne sind in den letzten anderthalb Jahrzehnte massiv ins Rohstoffgeschäft mit dem Kongo eingestiegen – oft dank guter Kontakte zur Entourage von Joseph Kabila. Amnesty International erhob 2016 schwere Vorwürfe gegen Huayou Cobalt: Das chinesische Unternehmen, das im Kongo in großen Mengen Kobalt von creuseurs aufkauft, verstoße gegen internationale Richtlinien der UN und der OECD, wonach Wirtschaftsunternehmen auch bei Zulieferern auf die Einhaltung von Menschenrechten achten müssen.

Kritik übte Amnesty auch an über 20 Konzernen, die ihrerseits über Huayou und mehrere Zwischenhändler Kobalt bezogen – darunter Apple, Tesla, Daimler, BMW, Samsung und Microsoft. In einem Folgereport ein Jahr später konstatierte die Menschenrechtsorganisation Verbesserungen bei Huayou, Apple, BMW und einigen anderen, nicht aber beim deutschen Autohersteller Daimler. Der Konzern wies die Vorwürfe zurück.

Öffentliche Kritik zeigt also durchaus Wirkung, wie in den vergangenen Jahrzehnten auch schon Kampagnen gegen sogenannte Blutdiamanten und andere Konfliktrohstoffe bewiesen haben. Internationale Initiativen, bei denen Staaten und Unternehmen ihre Geldströme offenlegen, haben mehr Transparenz in das internationale Rohstoffgeschäft gebracht. 

Nur beruhen diese Zusammenschlüsse auf Freiwilligkeit. Eine Absicherung gegen gefälschte Zahlen gibt es ebenso wenig wie Sanktionen bei Verstößen. Und keine dieser Initiativen kann ersetzen, was der Kongo am dringendsten braucht: funktionierende Behörden und die Bekämpfung der Korruption. Besonders jetzt, da der globale Kobalt-Boom dem Land enorme Gewinne bescheren könnte.  

Gehen Klimaschutz und Gerechtigkeit zusammen?

Joseph Kabilas inszenierte Wahlniederlage lässt da zunächst wenig Optimismus aufkommen. Gécamines wird von einem seiner Freunde geleitet, in mehreren Kobalt-Minen von Katanga haben offenbar Angehörige der "Republikanischen Garde" Stellung bezogen und zwingen creuseurs, für sie zu arbeiten.

Trotzdem kann sich der Ex-Präsident seiner Sache nicht zu sicher sein. Kongos rege Zivilgesellschaft ist mit dem Ausgang dieser Wahlen nicht von der Bildfläche verschwunden. Zahlreiche Aktivisten recherchieren und prangern Unterschlagung, Vetternwirtschaft und Korruption an – oft bei hohem Risiko für Leib und Leben.

Entscheidend könnte am Ende sein, wie viel Unterstützung sie aus den Ländern erfahren, in denen Kongos Rohstoffe landen. Im Fall des Kobalt-Booms läuft das auf eine ganz einfache Frage hinaus: Ob reiche Länder und Gesellschaften Klimaschutz und Gerechtigkeit zusammendenken können. Oder ob am Ende die Kongolesen den höchsten Preis für die Energiewende der Wohlhabenden bezahlen.