Frankreich - Zehntausende beteiligen sich an Gelbwesten-Demonstrationen In Frankreich haben landesweit rund 84.000 Menschen gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron demonstriert. In Paris waren 5.000 Polizeikräfte im Einsatz. © Foto: Xavier Leoty/Getty Images

Die französischen Gelbwesten sind aus Protest gegen die Sozial- und Steuerpolitik der Regierung den neunten Samstag in Folge in Paris und anderen französischen Städten auf die Straße gegangen. Landesweit beteiligten sich am Samstag nach Angaben des Innenministeriums rund 84.000 Menschen an den Demonstrationen, 244 Menschen wurden vorübergehend festgenommen.

Vor den neuerlichen Protesten mobilisierte die Regierung ein Großaufgebot von 80.000 Sicherheitskräften, 5.000 davon allein in der Hauptstadt. Auch kündigte sie härtere Gesetze gegen Randalierer an.

Die Pariser Demonstration verlief vom Finanzministerium aus zum Triumphbogen an der Place de l'Étoile, wo sie gegen frühen Abend enden sollte. Mehrere Tausend Demonstranten marschierten zunächst friedlich bis zur Place de la Bastille, wo sie regierungsfeindliche Parolen riefen. 

Am Triumphbogen hätten Demonstrationsteilnehmende laut einer Polizei-Sprecherin dann Wurfgeschosse in Richtung von Polizisten geschleudert. Diese hätten daraufhin Tränengas gegen die Demonstranten eingesetzt. Bis zum Nachmittag wurden laut Polizei 59 Menschen im Zusammenhang mit den Gelbwesten-Protesten festgenommen. Zur Begründung hieß es, diese hätten "verbotene Waffen" bei sich getragen oder seien Teil einer gewaltbereiten Gruppe gewesen.

Macron kündigt einen Bürgerdialog an

Neu an diesem Samstag war eine für den Nachmittag geplante größere Demonstration in Bourges im Zentrum Frankreichs. Dazu aufgerufen hatte unter anderen Priscilla Ludosky, eine der frühen Wortführerinnen des gemäßigten Flügels der Gelbwesten. Vor Beginn der eigentlichen Demonstration wurden nach Angaben der Behörden 15 Personen vorsorglich festgenommen. Die Polizei rechnete mit bis zu 3.000 Demonstranten.

Staatschef Emmanuel Macron kündigte unterdessen einen Bürgerdialog an, der kommenden Dienstag beginnen soll. Mehrere Vertreter der Gelbwesten lehnten dies bereits im Vorfeld ab. "Wir wollen nicht mehr reden, wir wollen Taten", sagte eine aus dem Alpenort Albertville nach Paris gereiste 34-jährige Gelbwesten-Trägerin.

Die Gelbwesten-Bewegung setzt der Regierung Macron seit November zu. Bei ihren landesweiten Kundgebungen demonstriert sie gegen Steuer- und Preiserhöhungen sowie für eine verbesserte Kaufkraft der Franzosen. Ursprünglich hatte sich die Bewegung gegen hohe Spritpreise und die geplante Ökosteuer auf Diesel gerichtet. Später mischte sich in den Protest allgemeiner Unmut über die Politik der Regierung.

Deren angekündigte milliardenschwere Zugeständnisse, die unter anderem mehr Geld für Mindestlohnbezieher und Entlastungen für Rentner vorsehen, weisen die Demonstranten als ungenügend zurück. Viele fordern weitere Steuersenkungen, Volksabstimmungen nach schweizerischem Vorbild sowie den Rücktritt von Präsident Macron.