Shutdown - Kompromiss im Haushaltsstreit Der US-Haushalsstreit ist beendet. US-Präsident Donald Trump stimmte einer Einigung zu, obwohl sie kein Geld für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko beinhaltet. © Foto: Kevin Lamarque/Reuters

Die US-Regierung kann wieder arbeiten: US-Präsident Donald Trump hat am Freitagabend ein Budgetgesetz unterzeichnet, wie seine Regierung mitteilte. Allerdings ist der Streit nicht beigelegt: Die Übergangsfinanzierung gilt nur bis zum 15. Februar. Bis dahin wollen Trumps Republikaner, die Demokraten und die Regierung eine Einigung im Streit über die Finanzierung einer Mauer an der Grenze zu Mexiko finden.

Trump fordert vom Kongress 5,7 Milliarden Dollar (etwa 5 Milliarden Euro) für den Bau der Grenzmauer. Am Freitag drohte der Präsident mit einem erneuten Shutdown oder der Ausrufung eines nationalen Notstands, sollten die Mittel nicht bewilligt werden. Die Demokraten, deren Stimmen Trump im Kongress benötigt, lehnen die Finanzierung einer Mauer aber weiterhin ab.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, schrieb am Freitagabend auf Twitter, in 21 Tagen werde Trump mit den Plänen zum Mauerbau voranschreiten – "mit oder ohne Demokraten". Trump ist der Auffassung, er könne die Mauer auch ohne Zustimmung des Kongresses bauen lassen, wenn er einen nationalen Notstand ausruft. Das ist umstritten und dürfte vor Gericht angefochten werden.

Trump feiert seine Niederlage als Sieg

Im Rosengarten des Weißen Hauses sagte der US-Präsident am Freitag: "Ich bin sehr stolz zu verkünden, dass wir einen Deal erreicht haben, um den Shutdown zu beenden und die Bundesregierung wieder zu öffnen." Die Vereinbarung wurde jedoch weithin als Niederlage Trumps angesehen, weil sie im Kern einem Vorschlag der Demokraten entspricht.

Trump widersprach diesem Eindruck. "Das war keineswegs ein Zugeständnis", schrieb er auf Twitter. Vor dem Shutdown hatte er angekündigt, den Regierungsstillstand als Druckmittel zu nutzen, um die Demokraten zum Einlenken im Streit über die Mauer zu zwingen. Noch am Donnerstag hatte er zumindest eine "erhebliche Anzahlung" für die Mauer verlangt, bevor er einem Übergangshaushalt zustimmen würde.

Der nun beschlossene Übergangshaushalt sieht keinerlei Mittel für eine Mauer vor, deren Bau eines der wichtigsten Wahlversprechen Trumps gewesen war. Im Wahlkampf 2016 hatte Donald Trump sogar versprochen, Mexiko würde für den Bau der Grenzmauer bezahlen. Der Fraktionschef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, sagte am Freitag: "Der Präsident hat unserer Forderung zugestimmt, die Regierung zu öffnen und dann Grenzsicherheit zu diskutieren." Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi erklärte, die Stärke der Demokraten in der Auseinandersetzung sei ihre Einigkeit. "Und das ist es, was der Präsident womöglich unterschätzt hat", fügte sie hinzu.

Bevor Trump den Übergangshaushalt unterzeichnete, wurde die Lösung am Freitagabend vom republikanisch kontrollierten Senat und vom demokratisch kontrollierten Repräsentantenhaus verabschiedet. Das Budget sichert drei Wochen lang die Finanzierung jener Ministerien, deren Gelder kurz vor Weihnachten ausgelaufen war. 

Etwa 800.000 Bundesangestellte waren seit dem 22. Dezember im Zwangsurlaub oder mussten ohne Gehalt arbeiten. Am Freitag blieb bei vielen Staatsbediensteten zum zweiten Mal in Folge das Gehalt aus, das normalerweise alle zwei Wochen gezahlt wird. Trump kündigte nun an, die Löhne würden schnellstmöglich rückwirkend bezahlt. Die US-Regierung bat die Leitungen von Bundesbehörden, Büros "auf schnelle und geordnete Art" wieder zu öffnen. Mitarbeiter im Zwangsurlaub könnten wieder zur Arbeit gehen, ließ sie wissen. Der Demokrat Schumer warf der Trump-Regierung vor, Bundesangestellte in dem Haushaltsstreit als "Geiseln" missbraucht zu haben.

Mehrheit machte Trump verantwortlich

In dem Streit hatte in den vergangenen Tagen besonders der Druck auf US-Präsident Trump zugenommen. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage der Washington Post und des Senders ABC machten 53 Prozent Trump und die Republikaner für den Shutdown verantwortlich, 34 Prozent die Demokraten. 54 Prozent der Befragten sprachen sich gegen eine Grenzmauer aus, 42 Prozent dafür. Seit Beginn des Shutdowns sind Trumps ohnehin niedrige Zustimmungswerte noch weiter gesunken.

Trump forderte den Kongress am Freitag auf, nach der Wiedereröffnung der Regierung die Mittel für den Mauerbau zu bewilligen. "Wir werden wirklich nicht umhin kommen, eine mächtige Mauer oder Stahlbarriere zu bauen", sagte er. Schumer zeigte in der Frage aber keine Kompromissbereitschaft. Er sagte nach Trumps Ankündigung: "Die Demokraten sind entschieden gegen die Mauer."

"Es ist sehr deutlich, dass wir alle verstehen, wie wichtig es ist, unsere Grenzen zu sichern", räumte Pelosi ein. Ihre Haltung zur Mauer habe sie in der Vergangenheit aber sehr deutlich gemacht. Pelosi führt das Repräsentantenhaus erst seit gut drei Wochen. Sie ist zu Trumps wichtigster Gegenspielerin geworden.

Der Haushaltsstreit war zu einem Machtkampf in Washington ausgeartet. Pelosi hatte von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und Trump die für kommenden Dienstag geplante Ansprache zur Lage der Nation im Abgeordnetenhaus verweigert, solange der Shutdown andauert. Trump hatte nachgegeben und die Ansprache auf eine Zeit danach verschoben.

Auch nach der Einigung blieb unklar, wann Trump seine State-of-the-Union-Rede halten wird. Pelosi sagte am Freitag, sie werde sich mit Trump auf ein Datum verständigen, wenn die Regierung wieder geöffnet ist.

Fluglotsen und FBI meldeten Sicherheitsbedenken

Der Shutdown hatte zuletzt immer schwerwiegende Konsequenzen. Am Flughafen LaGuardia in New York sowie im benachbarten Newark und Philadelphia kam es am Freitag wegen personeller Engpässe zu Verspätungen, meldete die Flugsicherheitsbehörde FAA. Dort landende Flüge verspäteten sich im Durchschnitt um 41 Minuten. Die US-Fluglotsengewerkschaft National Air Traffic Controllers Association hatte am Donnerstag wegen des Regierungsstillstands Sicherheitsbedenken für den Flugverkehr geäußert.

Wichtige Behörden wie die für Strafverfolgung, Grenzschutz oder Flugsicherheit arbeiten während eines Shutdowns weiter, also etwa Fluglotsinnen, FBI-Agenten und Grenzbeamte. Berichten zufolge haben sich seit Beginn des Streits aber auch schon Hunderte Angestellte der Transportsicherheitsbehörde TSA krank gemeldet. Am vergangenen Sonntag waren nach TSA-Angaben mehr als dreimal so viele ihrer Mitarbeiter an Flughäfen der Arbeit ferngeblieben wie vor einem Jahr.