Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat der Forderung von Oppositionsführer Jeremy Corbyn, einen Brexit ohne Austrittsabkommen mit der EU auszuschließen, eine Absage erteilt. Dies sei eine "unmögliche Bedingung", schrieb May in einem Brief an den Labour-Chef. Corbyn hatte in einem Schreiben den Ausschluss eines No-Deal-Szenarios zur Voraussetzung für Gespräche über einen Brexit-Kompromiss erklärt.

May muss am kommenden Montag einen Plan B vorlegen, wie es mit dem Brexit weitergehen soll. Ihr erster Plan war am Dienstag im Parlament krachend gescheitert. Grundsätzlich sind nun mehrere Varianten möglich: Die Premierministerin könnte versuchen, weitere Zugeständnisse von der EU zu erreichen, und das neue Austrittsabkommen dann wieder dem Parlament zur Abstimmung vorlegen. Denkbar ist auch ein Austritt zu einem späteren Datum – oder ein ungeordneter Brexit am 29. März 2019.

Die konservative Regierungschefin traf seit dem am Mittwoch überstandenen Misstrauensvotum im Unterhaus bereits Vertreter mehrerer Oppositionsparteien, darunter die Grünen, die proeuropäischen Liberaldemokraten, die Schottische Nationalpartei (SNP) und die walisische Partei Plaid Cymru. Die Grünen-Abgeordnete Caroline Lucas teilte anschließend via Twitter mit, May sei nicht an einem Kompromiss interessiert.

Corbyn forderte von May zudem, "rote Linien fallen zu lassen und ernsthafte Vorschläge für die Zukunft" zu machen. Er warnte die Premierministerin davor, "die Abgeordneten mit einem zweiten Versuch zu erpressen, ihren verpfuschten Deal durchzuwinken". Zu Mays "roten Linien" zählt der Wille, aus der EU-Zollunion auszutreten und die Freizügigkeit von EU-Bürgern einzuschränken.     

Der Labour-Chef schließt nicht aus, ein weiteres Misstrauensvotum gegen May zu beantragen. Sein Ziel sind Neuwahlen. 

Die EU-Kommission stimmt angesichts des drohenden ungeregelten Brexits bereits ihre Notfallvorbereitungen mit den Mitgliedsstaaten ab. "Wir nehmen die Möglichkeit eines No-Deal-Brexits sehr ernst und überlassen nichts dem Zufall", sagte ein Kommissionssprecher.

Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) machte deutlich, dass sich die Bundesregierung intensiv auf einen ungeordneten Brexit vorbereite. Frankreich begann bereits mit der Umsetzung eines Notfallplans zur Vorbereitung auf einen ungeordneten Brexit. "Die Verantwortung der Regierung ist es, das Land vorzubereiten und die Interessen unserer Bürger zu wahren und zu verteidigen", sagte Premierminister Édouard Philippe.