Bei Protesten Zehntausender Anhänger der Gelbwesten-Bewegung ist es am Samstag in mehreren Städten Frankreichs zu erneuten Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Demonstranten griffen laut Medienberichten in Paris nahe dem Rathaus Einsatzkräfte mit Steinen und Flaschen an. Regierungssprecher Benjamin Griveaux musste wegen randalierender Demonstranten sein Büro verlassen.

Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Ausschreitungen bei den Protesten. "Einmal mehr ist die Republik von extremer Gewalt attackiert worden", schrieb Macron auf Twitter. Er rief zur Mäßigung und zur Rückkehr zum Dialog auf. Auch Innenminister Castaner ermahnte die Demonstranten zur Ruhe. Jeder müsse das Gesetz respektieren, schrieb er auf Twitter.

In Paris, wo etwa 4.000 Menschen demonstrierten, kam es nach einem friedlichen Start der Proteste in mehreren Vierteln zu gewaltsamen Zwischenfällen. Auf dem Boulevard Saint-Germain wurden mehrere Roller, Mülleimer und ein Auto angezündet. Auf einer Seine-Brücke wurde bei Zusammenstößen ein Polizist verletzt.

Zahl der Demonstranten nimmt wieder zu

Mehrere Aktivisten brachen am Nachmittag die Tür zum Innenhof eines Ministeriumsgebäudes auf, in dem Regierungssprecher Griveaux sein Büro hat. Der Angriff habe "nicht mir, sondern der Republik gegolten", sagte er. Nach seinen Angaben waren Anhänger der Gelbwesten und schwarz gekleidete Demonstranten daran beteiligt. Zwei Autos im Innenhof seien zerstört worden. Griveaux wurde in Sicherheit gebracht.

Am späten Vormittag hatten sich die Anhänger der Gelbwesten zu einer Kundgebung auf den Champs-Élysées versammelt. Eine Rednerin sagte, die bisherigen Zugeständnisse der Regierung reichten nicht aus. Es werde noch das ganze Jahr über Protestaktionen geben. Vor dem Sitz der Nachrichtenagentur AFP versammelten sich später mehr als tausend Gelbwesten. Bei der etwa halbstündigen Kundgebung riefen sie Parolen gegen die Regierung von Präsident Macron sowie gegen die Medienberichterstattung über die Protestbewegung.

Auch in mehreren anderen Städten Frankreichs protestierten die Gelbwesten. Dabei nahm die Beteiligung im Vergleich zur Vorwoche wieder zu. Rund 50.000 Menschen hätten sich landesweit an den Kundgebungen beteiligt, sagte Innenminister Christophe Castaner im Fernsehsender LCI. Vergangenen Samstag waren es 32.000 Teilnehmer.

Die Gelbwesten-Bewegung setzt der Regierung von Staatschef Macron seit November vergangenen Jahres zu. Bei ihren landesweiten Kundgebungen demonstriert sie gegen Steuer- und Preiserhöhungen sowie für eine verbesserte Kaufkraft der Franzosen. Bei den Protesten gab es mehrfach gewaltsame Zusammenstöße mit der Polizei.