Gabun - Putschversuch in Gabun offenbar gescheitert Gabunische Militärs haben im staatlichen Rundfunk zu einem Aufstand gegen den Staatschef Ali Bongo aufgerufen. Dieser wird in Marokko wegen eines Schlaganfalls behandelt. © Foto: STEVE JORDAN/AFP/Getty Images

In Gabun hat die Regierung nach eigenen Angaben einen Putschversuch des Militärs beendet. "Es ist wieder Ruhe eingekehrt, die Situation ist unter Kontrolle", sagte Regierungssprecher Guy-Bertrand Mapangou der Nachrichtenagentur AFP. Von den fünf Militärs, welche den staatlichen Rundfunk besetzt hatten, seien vier festgenommen worden und der fünfte geflüchtet. In der Hauptstadt Libreville seien Sicherheitskräfte postiert worden, die auch in den kommenden Tagen die Präsenz aufrecht erhielten. Die Landesgrenzen blieben offen.

Die Militärs hatten zuvor während der Abwesenheit von Staatschef Ali Bongo im Staatsradio verkündet einen "nationalen Rat zu Erneuerung" eingesetzt zu haben, "um die Demokratie wiederherzustellen". Zeitgleich waren rund um das Rundfunkgebäude in Libreville Schüsse zu hören, wie AFP-Reporter berichteten. Panzer blockierten kurz darauf den Zugang zu der Straße, in der das Gebäude liegt.

Die Botschaft im Staatsradio war von einem Mann verlesen worden, der sich selbst als Vize-Kommandeur der Republikanischen Garde und Chef einer Gruppe namens Patriotische Jugendbewegung der gabunischen Verteidigungs- und Sicherheitskräfte bezeichnete. Auf einem in sozialen Netzwerken zirkulierenden Video von der Ansprache, das AFP verifizierte, waren drei Soldaten mit der grünen Kopfbedeckung der Republikanischen Garde zu sehen. 

"Übernehmt die Kontrolle über die Straße"

Die Bewegung rufe "alle jungen Menschen der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte und die gesamte gabunische Jugend auf, sich uns anzuschließen". Die Institutionen des Landes seien "illegitim und illegal". "Der lange erwartete Tag ist gekommen, an dem die Armee entschieden hat, sich auf die Seite des Volkes zu schlagen, um Gabun vor dem Chaos zu bewahren", hieß es in der Erklärung weiter. "Erhebt Euch gemeinsam und übernehmt die Kontrolle über die Straße." Die Menschen wurden aufgefordert, öffentliche Gebäude und Flughäfen im ganzen Land zu besetzen.

Präsident Bongo hält sich nach einem Schlaganfall derzeit zur medizinischen Behandlung in Marokko auf. Erst im Oktober hatten die Gabuner weitgehend friedlich ein neues Parlament gewählt. 2016 war es nach dem knappen Wahlsieg Bongos zu gewaltsamen Protesten mit mehreren Toten gekommen. Die Familie Bongo regiert das ölreiche Land seit rund 50 Jahren. Sinkende Ölpreise hatten in den vergangenen Jahren zu einer Wirtschaftskrise in Gabun geführt.

Erst am Wochenende hatten die USA rund 80 Soldaten und Soldatinnen in Gabuns Hauptstadt Libreville geschickt – zum Schutz ihrer Staatsbürger und -bürgerinnen und der diplomatischen Einrichtungen im Kongo. In einem Schreiben an den Kongress begründete US-Präsident Donald Trump das mit möglichen gewalttätigen Demonstrationen im Kongo nach der Wahl vor rund einer Woche.