Diese Frauen sind gefährlich. So jedenfalls sehen es harte Brexit-Anhänger und Rechtsextremisten. Die Anwältin Anna Soubry wird vom Pöbel vor dem Parlament angerempelt und als Nazi beschimpft. Die Juristin Gina Miller wird von Rechtsextremisten bedroht, man wolle sie köpfen und ihren Kopf vor das Parlament werfen. Yvette Cooper muss auf Social Media lesen, dass sie Feinde hat, die nicht nur sie, sondern auch ihre Kinder und Enkel ermorden würden. Gegen die Ärztin Sarah Wollaston läuft eine Social-Media-Hetzkampagne, seit sie öffentlich gegen den Brexit angeht.

Diese Frauen riskieren ihre Sicherheit. Mit Ausnahme von Miller sind sie Abgeordnete im britischen Parlament. Sie sind derzeit die Speerspitze einer Kampagne von EU-Sympathisanten gegen die Brexit-Politik der Hardliner, die Großbritannien am liebsten ohne Austrittsvertrag aus der EU fallen sähen.

Der Coup, den die Abgeordnete Yvette Cooper für Dienstag im Parlament plant, ist für die Regierung und die Hardliner der Brexit-Fraktion so bedrohlich, dass der konservative Abgeordnete Jacob Rees-Mogg die Regierungschefin Theresa May aufforderte, das Parlament aufzulösen, sollte Cooper Erfolg haben. May solle gar die Queen einschalten. Cooper will über Parlamentsabstimmungen den Brexit bis zum Jahresende verschieben

Ohne Oxbridge-Englisch

Aber was genau ist an diesen Frauen so besonders? Warum werden sie so ernst genommen, wo doch bisher erzkonservative Männer wie Rees-Mogg, Boris Johnson, David Davis und andere Nadelstreifenherren die Politik von Theresa May vorgegeben haben? Der Grund: Diese Frauen denken nicht ideologisch, nicht in Kategorien von Macht, Nationalismus, Stolz der Nation, Churchill und Zweitem Weltkrieg. Sie demonstrieren im Parlament nicht mit Oxbridge-Englisch die Überheblichkeit der britischen Upperclass. Sie versuchen nicht mit juristischer und historischer Haarspalterei zu punkten. Diese Frauen sind nicht nur Politikerinnen, sondern auch verheiratet, Mütter mit Kindern, die ihr Land vom Sandkasten bis zum Altenheim kennen. 

Yvette Cooper ist Abgeordnete der Labour-Partei. Doch sie ist keine sozialistische Ideologin, die blind Oppositionsführer Jeremy Corbyn folgt. Cooper ist viel pragmatischer als Corbyn. Die Financial Times nennt sie mittlerweile die wirkliche Oppositionsführerin im Lande.

Die zierliche Frau fällt im Parlament auf, wenn sie von den hinteren Bänken der Labour-Opposition aufsteht und mit ihrer hellen Stimme loslegt. Dann schimpft sie wie normale Leute es tun, auch wenn sie in Oxford Philosophie, Politik und Volkswirtschaft studiert hat, in Harvard war, in Amerika für den damaligen Präsidentschaftskandidaten Bill Clinton gearbeitet hat und nun seit 20 Jahren als Abgeordnete im britischen Parlament tätig ist.

Die Politik reicht tief in Coopers Privatleben. Seit 20 Jahren ist sie mit Ed Balls verheiratet, einem ehemaligen Abgeordneten der Labour-Partei, sie hat mit ihm Kinder. Beide waren das erste Ehepaar, das verheiratet am Kabinettstisch saß.